Flassbrke f. ‘Gerät zum Aufbrechen der getrockneten Flachsstängel, um deren holzige Teile zu entfernen, Flachsbreche’ 2: Hochzeit-Altm 50, 3: vereinz. w elbostf., 4: Mda-Sti 130.
Lautf.: Flassbrake, -brke; außerdem: flszprke Mda-Sti 130.
Frwarwer m. ‘Brautwerber, Heiratsvermittler’, veralt., 2: Vk-Altm 250, Hochzeit-Altm 10, 3: verstr. elbostf., 4: Vk-Anhaltb 36 – ... Friewarwer war Veihhändler Jakob Peppermann west ... Lindauc o.J. 112. – Brauch: F. waren häufig Händler, die von Dorf zu Dorf zogen und Einblick in die örtlichen Verhältnisse hatten. Daneben übernahmen Verwandte oder Freunde diese Aufgabe. Entlohnt wurden die F. nicht mit Geld, sondern bes. mit Kleidungsstücken, wie z.B. Hemden oder Lederhosen. Vk-Altm 250, Hochzeit-Altm 10, Vk-Anhaltb 36.
Lautf.: Friewarwer, Fr-; außerdem: -waerwr Vk-Ask 130; Freiwerber Vk-Anhaltb 36.
Frwarwersche f. ‘Brautwerberin, Heiratsvermittlerin’ 2: Hochzeit-Altm 10, 3: HA-Oh.
Gwe f. 1. ‘Geschenk, Gabe’, spez. auch ‘Geldgeschenk’ 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. omd. – Rda.: ’n lütj Gw inklappen ‘jmdm. mit dem Handschlag einen Geldbetrag übergeben’, bes. als Dank an den Gastgeber, Hochzeit-Altm 53; An frohes Jemiete un keen Bod’n in de Hosen is ane Jabe Jottes. iron. zu einem stets fröhlichen Menschen, Vk-Anhaltc 106. – 2. ‘Begabung, Talent’ 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 76, Wb-Be – dat sind Gben! BLA-Brau; Wenn ich dn seine J’m harre! Wb-Ak 76.  Gift.
Lautf., Gram.: Gawe, Gwe, J- vereinz. elbostf., Mda-Sti 16; Gabe, gbe, J- Sg., -n Pl. vereinz. w elbostf., Vk-Anhaltc 106, Richter o.J. 111; Jwe, [jwe] Wb-Ak 76, Wb-Be; Ga(o)w vereinz. Altm.; G’m Pl. Brauch-wAltm 26 (GA-Br).
Gt n. 1. 1: SA-Rist, 2: vereinz. Altm., ZE-Dü, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – a. ‘Besitz, Habe’ – Geld un Gd Wb-We 44; Sprw.: Gd mkt Blt ‘Menschen, die aus einer begüterten Familie stammen, finden leicht einen Ehepartner.’ Hochzeit-Altm 63; Unrecht Gut kümmt nich an’n dritten Erw’n. Spr-Altm 76; unrechd Jd jedaied nich CA-Ak. – b. ‘Landgut, Gutshof, Bauernhof’ – Dee upp een Goot in Arbeit wer ... Francke 1904,80; ... ich kahmb nah Pommern uff son eensames Jut als Verwalter ... Richter o.J. 105. – 2. ‘Nutzpflanzen’ 3: Wb-Nharz 66. – 3a. ‘Rohstoff, Material für die Herstellung von etw.’, z.B. Kuchenteig oder Wurstmasse, 2: Wb-Altm 67, 3: Wb-Holzl 99 – Dat Gd (der Teig) geit schön. Wb-Altm 67. – 3b. ‘Transportgut, Frachtgut’, bei den Schiffern wird zwischen trockenem (vor Nässe zu schützendem) und nassem (vorw. Flüssigkeiten) G. unterschieden, 2: Wb-Altm 67, Elbschifferspr. 447 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 447 (CA-Ak), Wb-Ak 82.
Lautf.: Go(o)t, Gt, -d, [jd] SA-Rist, vereinz. Altm., Elbschifferspr. 447 (JE2-Pa); Gu(u)t, Gt, -d, J-, [jd] Spr-Altm 76, Elbschifferspr. 447 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi), verstr. elbostf., vereinz. anhalt.; Juot ZE-Dü.
Häcksel m., n. ‘klein gehacktes Grünfutter oder Stroh’, als Viehfutter, verbr. – Häcksel schnai’n DE-Els. – Brauch: Denjenigen Mädchen, die nicht jungfräulich in die Ehe gingen, wurde der Kirchweg mit H. bestreut, Hochzeit-Altm 27, Vk-Anhaltb 39. Man rief auch dem Hochzeitszug nach:Häcksel, Häcksel, Schandenkraut,
Unglück ist mir angetraut.
Vk-Ask 131.
Auch in der Neujahrsnacht streuten die Burschen den nicht mehr für unschuldig geltenden Mädchen H. vor die Tür oder das Fenster (Wb-Nharz 74), während er in der Pfingstnacht den noch jungfräulichen Mädchen vor das Haus gestreut wurde (Rauch 1929,28f.). Der in den  Twölften gestohlene H. galt als bes. zuträglich für das Vieh, die Bauern versuchten den Diebstahl durch im H. versteckte Sensen zu verhindern, BrauchwAltm 11 (SA-Dre).  Hackels Häckerling Häckling Khäcksel.
Lautf.: Häcksel, Hecksel verbr.; [hgsl], [hegsl] verstr. anhalt.; Häcksüll SA-Zier; Häcksill SA-Altm; Hecks’l Wb-Altm 79; Häksl JE2-KlWu; Häcksa SA-Han; Hächsel OST-Ren Rö, HA-KlSa, OSCH-Nie; Hässel HA-Scha; Häecksel SA-Bu, OST-Wal, STE-Osth; Häeggsel OST-Ga; Häesel STE-Kl-Schwa; Heäcksel OST-See; HackselSA-Vi; Hacks’l SA-Rie; Haacksel OST-Bre; Hachsel OST-Klei; Haecksel verstr. nbrdb., BLA-Brau; Haäcksel OST-Hi Sto; Haicksel OST-Gla; Hoäcksel GA-KloNeu. – Gram.: n. belegt SA-KlGa Pa, OST-Flee, WO-We, ZE-Na Steu, CA-Bru Ca, BE-La, DE-Je. Zus.: K-.
Handwerksburschentafel f. ‘Ehrentafel zur Hochzeit für anwesende Amtspersonen’, scherzh., 1: Hochzeit-Altm 41 (verbr. nwaltm.).
Hansworst m. ‘lächerlicher Mensch’, auch ‘Spaßmacher’,  Clown, vereinz. – Brauch: Zum Schützenfest wird eine den H. darstellende Puppe beim Aus- und Einzug vorangetragen, beim Scheibenschießen taucht sie hinter der Scheibe auf, wenn ein Schütze ins Zentrum getroffen hat. Wb-Nharz 69. – Rda.: Hans Worst hett ‘n Bodd’n tdanzt von einem Mädchen, das nicht mehr jungfräulich ist, Hochzeit-Altm 64; Hanswost! wost’ noch Wost? hier is noch Wost, wenn’ noch Wost wost. Wortspiel, Bewohner-Altm 1,367; im Bastlösereim:Klopp klopp Piepe
op’n Möhlendieke
sat Hans Wöstchen
mit’n lüttjen Mestchen
sneit Hut aff,
sneit Haar aff,
sneit der Katte ‘n Swans vorm Arse aff.
WE-Velt.
Herr m. 1. ‘Dienstherr, feudaler Guts- oder bäuerlicher Hofbesitzer’, von den Untergebenen auch als Anrede verwendet, verstr. – Hüte bruke de Heere nich tweemal te raupen, … Rauch 1929,13; … de Herre harre dat vorb’en (verboten) Tiedge 1954,39; Harre, ter Napper (Nachbar) rft Wb-Be; Rda.: Herre bist du, aber gillen (gelten) daue eck sagt die Frau zum Mann, WE-Dee; Ick bin Herr, sä de Mann, dao sat ‘r unnern Disch. Bewohner-Altm 1,339; de Uur, dee is mien Here nich Wb-Holzl 104; gestrenge Hrens regiert nich lange ‘der Winter ist bald vorrüber’ Wb-We 50 (vgl. 4.); Sprw.: As de Herr, so de KnechtSchwerin 1859,55; wie der Harre, so’t Gescharre JE1-Dan; Nie (neue) Heeren – nie Leeren.Hbl-Ohre 1926 Nr. 6/ohne Verf. (CALV-Zo); Met grod Herr’n ist nich god Käspern (Kirschen) äten, de langen ümmer nao de gröttsten. Bewohner-Altm 1,342;Wat de Harre dait, dat iss wohledaon,
Wat de Knecht dait, dat gaiht ook noch an,
Aow’r de Junge, daer mutt Schlaeje hebbn
. Lieder-Ma Nr.
769 (WO-Ol).
– Brauch: Gewöhnlich übernahm der Ehemann mit der Hochzeit das Erbe und wurde ab diesem Zeitpunkt de junge Herre genannt, seine Gattin de junge Fr. Hochzeit-Altm 45 und 52. Auf den Dörfern nannte selbst die Ehefrau ihren Mann de Hre. Wb-We 50. – 2. als Anrede in Verbdg. mit Namen oder Standesbezeichnungen, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be – Harr Pastoor Hbl-Ohre 1925 Nr. 3/Wöhlbier (HA-Eim); har Bartels, har kanter Wb-Nharz 70; Harr Napper (Nachbar) Wb-Be. – 3. ‘Gott’ – Rda.: Dat Og von’n Herrn is de best’ Meß upp’n Acker. 2: Spr-Altm 75. – 4. ‘die drei Eisheiligen’,  shilligen – a. in der Verbdg.: de kolden Herrn 2: JE2-Sy, JE1-HLo, 3: WO-El, 4: BE-Am. – b. in der Verbdg.: de (dr) (ge)strengen Herrn 2: verstr. Altm., vereinz. JE2 JE1, ZE-Dor, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. BE.
Lautf., Gram.: Herr vereinz. Altm.; Herre, [hr] Hochzeit-Altm 45, verstr. w elbostf., verbr. w JE1; Herrn Pl. vereinz. nwaltm., verstr. Altm. JE2 JE1, ZE-Dor, verstr. elbostf., KÖ-Kö; Herrns Pl. vereinz. Altm.; Härrn Pl. GA-Ziep, WE-Oster, BA-Re; Hähn Pl. SA-Han; He(e)re, hre Mda-Ma 62 (JE1-Prö), vereinz. elbostf.; Heer(e)n Pl. Hbl-Ohre 1926 Nr. 6/ohne Verf. (CALV-Zo), HA-Ost, WA-Am; [her] Id-Eilsa 67, Here HA-Oh (veralt.); hiere OSCH-Di (veralt.); Harre, [har] Mda-nwJe1a 36 (JE1-Rie), verstr. s JE1 ZE, vereinz. ö elbostf. anhalt.; Harr, har(nur bei Anrede in Verbdg. mit Namen oder Standesbezeichnung) Hbl-Ohre 1925 Nr. 3/Wöhlbier (HA-Eim), Wb-Nharz 70, [har] Wb-Be; Harrn, [harn] Pl. BLA-Ti, vereinz. ö elbostf., CA-Ak Sa, verstr. BE. Zuss.: zu 1.: Hoff-, Hs-, Mt-; zu 4.: sherren.
Hochtdenbidder m. ‘Einlader zur Hochzeit’ 2: vereinz. ö Altm., 2/3/4: Vk-Anhalta 160 – Brauch: Die Funktion des H. übernahmen meist Verwandte oder Freunde des Brautpaares, auch zum Hochzeitshaus in einem besonderen Vertrauensverhältnis stehende Drescher oder Knechte, mitunter der Brautwerber, in einzelnen Orten der Kantor. Die H. waren mit schwarzem Anzug und Hut bekleidet sowie z.T. mit einem kleinen Blumenstrauß, bunten Bändern und Schleifen geschmückt. Sie erschienen einzeln oder paarweise und bes. bei weiteren Entfernungen zu Pferd. Die Einladung zur Hochzeit wurde in gereimter Form vorgetragen, die Eingeladenen dankten dem H. mit einem alkoholischen Getränk (Hochzeit-Altm 15ff.), mit einem bunten Band oder einer Schleife, die der H. auf Rücken oder Schulter befestigte, mit einem seidenen Tuch oder einem Rosmarinstrauß (Hochzeit->Altm 15ff., Vk-Altm 252, Vk-Anhalta160). Vom Brautpaar wurden die H. mit Geld, einem neuen Hut oder Anzug oder auch mit einer neuen Lederhose (BA-Fro) entlohnt. Auch bei der Hochzeit konnten den H. Aufgaben zufallen. Sie ritten an der Spitze des Hochzeitszuges (KÖ-Dro), warfen Geld, wenn das Brautpaar auf dem Heimweg nach der Trauung ausgelöst werden musste (BE-GrMü) oder sprachen während des Hochzeitsmahles Segenswünsche aus (ZE-Steu). Vk-Anhalta 160. Sie konnten auch den Ausschank der Getränke beim Hochzeitsmahl übernehmen. Vk-Altm 252.  TZ: Hochtdenlder Hochtdenschenker Hochttsbde Hochttsinlder Hochttsndiger Köstenbidder Köstenndiger Ndiger.
Lautf.: [hottnbit] SA-Kal, OST-Ga Krum Meß, vereinz. STE; Hochtitbidder Hochzeit-Altm 15; HochzeitsbitterVk-Anhalta 160.