Mkenwgen m. ‘der Wagen, auf dem die Brautjungfern am Tag der Hochzeit zum Gehöft der Braut und anschließend zur Kirche fuhren’, verwendet wurde eine Kalesche oder auch nur ein Leiterwagen, 1: Hochzeit-Altm 26 (SA-Wi), 2: a.a.O. 26 (GA-Kak Wern).
1Mn m. 1. ‘Mond’ verstr. – de Mane is all upejn Mda-nwJe1a 46; de Ment hat’n Hoff HA-Oh; De Moan van’n Hewen schient hell’sch klaor. Pohlmann 1905,44; Verbdg.: taunmens mnt (zunehmenden Mond) hebben Wb-Nharz 122; mei hebben vullen Mn (Vollmond) BLA-Brau; oll Maon ‘abnehmender Mond’ Wb-Altm* 63; affnemels Mond dass., Wb-Holzl 142; nen Ment ‘Neumond’ HA-Oh; Rda.: kannst in’n Ment kken ‘du kannst vergeblich hoffen’ HA-Oh; sieht’n Mond forn Kauhkese an ‘er ist betrunken’ Sprw-Börde; weit hingern Mn her ‘geistig beschränkt’ Spr-Anhalt 165; dne Uhr geiht n’n Ment ‘deine Uhr geht völlig verkehrt’ HA-Oh; De Maon schient äm dörch de Been. ‘Er ist krummbeinig.’ Bewohner-Altm 1,350; De Maon is ämm nch nich oll noch (genug). von einem Menschen, der Erledigungen gern aufschiebt, Wb-Altm 134; Wetterregel: Der Mnd hat an Hoff, ‘s jiwwet ble an’ner Wetter. Wb-Ak 115. – Volksgl.: Verbr. ist die Vorstellung, dass ein Mann im M. sitzt, nicht ganz so häufig glaubt man an eine dort lebende Frau (verbr. Altm., sonst verstr.). ADVk Kt. 15. Der Mann im M. trägt u.a. ein Reisigbündel (verbr.), ein Arbeitsgerät (Einzelbelege Altm. HA), Kohl (ZE), einen Sack (ZE-Ke) oder eine Garbe (KÖ-Li). a.a.O. Kt. 16, Vk-Anhaltb 51. Er wurde zur Strafe dorthin verbannt, weil er Reisigbündel bzw. Holz stahl (verstr.) bzw. an einem Sonntag Arbeiten verrichtete. Vk-Anhaltb 51 (verstr. ZE, anhalt.). Bei vielen Tätigkeiten achtete man auf die versch. Mondphasen. Zunehmender M. wirkte sich günstig auf Dinge aus, die sich vermehren, abnehmender auf solche, die sich verringern sollten. Vk-Anhalta 327. Der Hochzeitstermin wurde in die Zeit des zunehmenden M. gelegt (Hochzeit-Altm 14), um das gemeinsame Vermögen anwachsen zu lassen (SA-Ru, Vk-Anhalta 327). Dagegen sollte eine Heirat bei abnehmendem M. vermieden werden (HA-Eil), da alle Vorsätze und Unternehmungen missraten würden (Hochzeit-Altm 14). Flechten und Warzen wurden durch Besprechen bei abnehmendem M. geheilt. Vk-Anhalta 299. Für Tätigkeiten wie das Schneiden von Wünschelruten, das Brechen von Pfropfreisern (ZE-Rie) oder das Sammeln von Zauberkräutern (ZE-Na) war die Zeit des Vollmondes am geeignetsten. Heilkräuter sollten dagegen bei zunehmendem, Giftkräuter bei Neumond geerntet werden (ZE-Na). Die Aussaat während des Neumondes führte zu einer schlechten Ernte. Die bei Neumond geborenen Kinder können hexen, die bei Vollmond geborenen werden mondsüchtig. Die erste Mondsichel durfte man nicht durch das Fenster sehen, sonst hatte man in den nächsten vier Wochen Unglück. Vk-Anhalta 327. – 2. ‘Freistätte beim Haschespiel’,  1Ml, 2: SA-Kun.
Lautf.: Ma(a)n, [mn] verstr. elbostf.; Maon, [mn] verstr. Altm., Nd-Börde § 37, BLA-Be; mn JE2-Scho, Mn Spr-Anhalt 165; maone Mda-Ro; [man] Mda-nwJe1a 46 (JE2-HSe), verstr. JE1 (meist in Verbdg.); [man] ZE-Göd; Mnt HA-Oh (veralt.), mnt Wb-Nharz 122; Moand JE2-Nka, Moahnt SA-Kun; [mant] ZE-Kö; [mant] Mda-Ze (verstr. ZE); Mond Spr-Altm 79, Wb-Holzl 142, Sprw-Börde, Wedde 1938,65, Richter o.J. 21, DE-Schie, Mnd Wb-Ak 115, Mont HA-Bee, [mnt] verbr. JE1, verstr. ZE, Brugge 1944,78 (WO-He, vereinz. nö WA), Mda-Ma 66 (verstr. nö CA), Mda-Sti 24, Wb-Be; Ment HA-Oh, ment Mda-Weg 107; Mound BE-La; muont OSCH-Di. – Gram.: f. belegt Wb-Altm* 63, ZE-Göd.
Maschkers Pl. ‘als Frauen verkleidete Männer mit geschwärztem Gesicht’, erschienen zu dritt um Mitternacht des ersten Hochzeitstages, um mit den Anwesenden ihren Schabernack zu treiben, 2: Hochzeit-Altm 45 (JE2).
Lautf.: Maschkers. – Etym.: zu mndl. maschere, ndl. Masker ‘Maske, Larve’, vgl. Wb-BrdbBerl 3,222.
Matthias ’24. Februar’, Kalendertag des Heiligen, 2: Hochzeit-Altm 6ff., 3: Mda-Ohre 356 (GA-Rä), Wb-Nharz 124 – Wetterregel: matts brikt s, fint’e nischt, sau mkt’e wat Wb-Nharz 124. – Brauch, Volksgl.: Die Bräuche zu M. waren von vielfältigen Orakelspielen geprägt. In der  Matthiasnacht erschien den Mädchen der Zukünftige im Traum (GA-KlEn Rä), wenn sie vorher ein Groschenstück in einen Pantoffel legten, beim Zubettgehen darauf traten und anschließend rückwärts ins Bett stiegen (GA-Rä). Mda-Ohre 356, Brauch-wAltm 22. Die Mädchen einer Spinngemeinschaft versammelten sich um einen Tisch, auf dem sich ein ererbtes Gesangbuch und eine darauf gestellte Öllampe befanden. Ringsherum lagen in Papier gewickelte Gegenstände. Mit verbundenen Augen mussten die Mädchen jeweils einen Gegenstand greifen, der Rückschlüsse auf den Beruf des späteren Ehemannes zuließ. Hochzeit-Altm 6f. Einem mit dem Bauernhof vererbten Ganter wurde Branntwein eingeflößt. Danach bildeten die Mädchen einen Kreis und stießen das mit Bändern und Flittergold geschmückte Tier herum. Das Mädchen, vor dem er einen Haufen setzte, würde nicht mit dem Kranz, also unehrenhaft, getraut. Mda-Ohre 356 (GA-Rä).
Lautf.: Matthies Hochzeit-Altm 7, Mda-Ohre 356 (GA-Rä), matts Wb-Nharz 124.
1Mle f. 1. ‘durch Wind, Wasser oder Motorkraft betriebene Anlage zum Zermahlen, Zerkleinern von körnigem Material’, bes. ‘Getreidemühle’ verbr. – dai Möll schtit schtill SA-Dä; de Mülder is op de Mele HA-Oh; Denkst du, wenn seck dä Möhle dreiht, eck kann meck op dä Siete leggen? Klaus 1936,21; Rda.: Water op siene Mele ‘etw., das jmdn. unterstützt’ Sprw-Börde; hai hat einen opp der Mle ‘er ist verrückt, geistesgestört’ WE-Zi; Hätt de Möll man Wter, so fün’n sik k wl Gäst Trost für ein Mädchen, dessen Verlobter die Verbindung gelöst hat, Hochzeit-Altm 64; Rätsel:Wat iss dat Beßte an dai Mölle?
– Dat se von Holt iss.
Wenn se von Flaisch waire,
Denn harrn se de Kraihen oppefreetn.
Lieder-Ma Nr. 500
(WO-Ol);
Wekke Mähle hätt kan Water? – die Kaffeemühle, WE-El; Geiht un’ geiht un’ kümmt nich to Dörp? – die M., Bewohner-Altm 2,171; Eine mohle uf der Milde mit 4 gengen … Amt Dessau und Lippehne 1547–1549, Landreg-Anhalt 1,175. – 2a. ‘Brettspiel für zwei Personen, bei dem die Mitspieler versuchen, eine  Mle 2b. zu bilden’ 4: Wb-Ak 113. – 2b. ‘Figur aus drei nebeneinander liegenden Steinen beim Mühlespiel’ – Reim:Stripp, strapp, strull,
Miene Möll’ iss vull,
Miene Mölle gait,
Diene Mölle stait.
3: Lieder-Ma Nr. 753 (Umgebung von
Magdeburg).
Lautf.: Mö(h)le verstr. OSCH WE; Mele HA-Oh, WE-Wa; müöle OSCH-Di; Me(h)le, [ml] Sprw-Börde, OSCH-He, verstr. s elbostf., BA-Ha; Mähle WE-El; mäale Mda-Ro, male Dialektgeogr-Elbe/Saale 94 (verstr. sö ZE); Mle, [ml] verstr. s ZE, BA-Ha, verstr. anhalt.; Mölle, [möl] verstr. s Altm., vereinz. JE2, verstr. nw JE1 n elbostf., WA-Un; Möll, [möl] verbr. nwaltm. n/mittlere Altm.; [ml] Mda-Ar 32; Melle Wb-Holzl 142 (WA-KlWa), WA-Ste, melle Mda-Sti 176, [mel] MdanwJe1a 51 (JE1-Bie Ger), Mda-Ma 70 (verstr. s JE1), verstr. ZE n CA. Zuss.: zu 1.: Kaff-, L-, Molt-, l-; sonstiges: Huckemühle, Klaps-, Münte-.
Nkost f. ‘Bewirtung der heimfahrenden Hochzeitsgesellschaft im Haus der Brauteltern’ 2: Hochzeit-Altm 53.
Nmiddagsbrt f. ‘Braut, die später als 12 Uhr am Ort der Trauung erscheint’ – Volksgl.: Die N. hat Unglück in der Ehe zu erwarten. 2: Hochzeit-Altm 23.
olt Adj. 1. ‘nicht mehr jung, bejahrt’ allg. – lauter olle Leite Alt-Cöthen 8; dat Paiad (Pferd) is all d SA-Dä; Dä Zeitung brochte ole Simon von Darßen alle acht Da’e einmal … Klaus 1936,2; subst.: Dat harre den Ollen gefall’n … Rauch 1929,126; Rda.: je ölder je dummer Wb-We 95; je ölder, je dölder HA-Oh; Sprw.: Olt Mann, jung Ww, Slechten Ttverdrw. Hochzeit-Altm 63; Olt bi olt un jung bi jung. Spr-Altm 76; man word olt wie ne Kau un leert noch immer tau Sprw-Börde; man ward te freuh olt un te späde gescheut WO-Gu; n’ elen Hunt is nist mer btebringen HA-Oh; Kinner un oll Lü’ seng’n die Wahrheit. Bewohner-Altm 1,344; Olt un kolt un kain Vörmoejen, Dat sünt drai Dinge, dai niss ‘toejen. Lieder-Ma Nr. 779 (WO-Ol). – 2. ‘ein bestimmtes Alter habend’ allg. – … all fäftig Johr olt … Hausfr-Altm 1927,41 (STE-Ber); W düse vair Jre lt wr … Tiedge 1954,39; Paul war zwee Joahre ölder as Max … Heimatkalender-Je 1927,118 (JE2-Vie). – 3a. ‘nicht mehr neu, lange gebraucht, abgenutzt’ verbr. – dor wnd awwor in anne le Bde DE-Ca; der Kn is ald Elbschifferspr. 318 (WO-Ro); Sprw.: an’n eln Slarm’n (Pantoffel) is nich mer fel te flicken HA-Oh. – 3b. ‘seit längerer Zeit vorhanden, vor langer Zeit entstanden’ verstr. – olle Jeschichten JE1-HWa; de ollen Buerjeschlechter Lautdenkmal 1937 (OST-Schön); Rda.: hei is noch t de ele Welt ‘er ist altmodisch’ HA-Oh; Hei war von de ole Mode … dass., Wedde 1938,77. – 3c. ‘vom vergangenen Jahr’ vereinz. – Mr kochen noch le Kartoffel’l un kfen noch kne neien. Wb-Ak 15. – 4. Ausdruck einer vertraulichen Einstellung zu Personen, vereinz. – Uns’ oll klein Jung … Wb-Altm* 64; ollet Hs JE2-Scho. – 5. zur negativen Charakterisierung von Personen, Tieren und Sachen, verbr. – oller Dummkopp ZE-Roß; tr le Fatske Wb-Be; d le schpskop brke k nich te kommen Wb-Nharz 137; De olle Tache (Hündin) Spr-Asch 42; d ’l Micken sin awwer z lestich. Wb-Ak 15; d het d olle Tsicke awärra henneköddelt JE2-Scho; sönne olle Schiete HA-Bee.
Lautf.: olt, old [olt] vereinz. ö/s nwaltm., verbr. brdb. n/ö elbostf.; oll Id-Altm, Wb-Altm* 64; [lt] Mda-Ar 24, Siedler-Je § 74 (JE2 JE1); oolt, oold, [lt] Wb-Altm 149, verbr. w/s elbostf., Mda-Sti 4, BA-Ha; elt vereinz. w elbostf.; [t], [d] verbr. nwaltm.; uot OSCH-Di; [ald] Elbschifferspr. 318 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa); lt KÖ-KlPa; [lt], [ld] verbr. anhalt. – Gram.: sw. (m., f., n.) Nom. Sg./gem. Dekl. f. Nom. Sg., auch subst.: olle, [ol] verstr. s Altm., JE2-Gü Scho, verbr. mbrdb. n/ö elbostf., Wb-Be, Alt-Cöthen 8; oll, [ol] verstr. nwaltm. nbrdb.; [l] Siedler-Je § 136d (JE2 JE1), Teuchert o.J. 83 (JE2-GrMa); o(h)le, [l] verbr. w/s elbostf., Mda-Sti 38, KÖ-Ed; ele HA-Oh, [] Id-Eilsa 81; alte vereinz. anhalt.; ahle KÖ-GrPa, Richter o.J. 5; aole, [l] Mda-Ro, BE-Gü, verstr. anhalt.; subst. Pl. (1.): Ollen Rauch 1929,126; Olen, l’n WE-Velt, Wb-We 95, Mda-Sti 4; elen HA-Oh; Kompar.: ölder Heimatkalender-Je 1927,118 (JE2-Vie), Wb-Holzl 147, HA-Oh, Wb-We 95; öller STE-Hü, JE2-Schön; elder Wb-Nharz 137, Mda-Sti 9; [elr] QUE-Di; [er] ZE-Roß.
oppern Vb. ‘eine Opfergabe darbringen’, auch ‘Geld in den Opferstock legen’ 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. elbostf., 4: Vk-Anhalta 164 – Ok wes in edder vor der sulven capellen up den altaren edder vorbilden geoppert wert … Äbtissin von Quedlinburg 1448, UB-Quedlinburg 1,388. – Brauch: Nach dem Traugottesdienst gehen alle Hochzeitsgäste um den Altar und legen Geld für Pfarrer und Küster darauf. Hochzeit-Altm 35, Vk-Anhalta 164.
Lautf.: oppern; außerdem: opfern Beiträge-Nd 76 (WO-HWa), Vk-Anhalta 164. – Etym.: zu lat. operari, durch Missionstätigkeit aus dem Rhein-Main-Raum in unser Gebiet gelangt, ausf. auch zum Verhältnis oppern-offern s. Spr-Elbe/Saale 221f., Frings 21966,105ff. Zus.: sonstiges: hen-.
sterball m. ‘größerer Ball, den Ehepaare, die seit dem letzten Osterfest heirateten, zu Ostern den jungen Leuten schenken müssen’, veralt., ausf. vgl. Brtball, 1: SA-Wist, 2: Hochzeit-Altm 53ff.