afstarwen Vb. 2: Bewohner-Altm 2,318, Zauber-Ma 93 (GA-Mie), ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 11, Wb-Be. 1a. ‘sterben’,  starwen – Rda.: hei hlt w wenn ne einder afestrben is HA-Oh. – 1b. ‘(allmählich) aufhören zu leben, absterben’ – dä Boom is affestorben HA-Bee; De Kartoffel’l sin abjestorre’m, mor ken’n se langen. ‘Das Kartoffelkraut ist vertrocknet, wir können die Kartoffeln ernten.’ Wb-Ak 11. – 2. ‘gefühllos, taub werden’, von Körperteilen – mich sinn meine Finger janz abjestorm ZE-Roß.
Lautf., Gram.: afstarben HA-Oh; affschtarben Sprw-Börde; affestorben Part. Prät. HA-Bee; stärw’n aw 3. Pl. Präs. Bewohner-Altm 2,318; stärbm aff 3. Pl. Präs. Zauber-Ma 93 (GA-Mie); fschtarben Wb-Nharz 2; abstarre’m Wb-Ak 11; abjestorm Part. Prät. ZE-Roß; [aptar] Wb-Be.
afstrpen Vb. 1. ‘abstreifen’ 2: Spr-Maa 432 (OST-Fe), STE-Ste, Heimatkalender-Je 1923,98 (JE2-Vie) – Her ströpte den Bindfoam af un moakte de Schachtel up. a.a.O. 1923,98 (JE2-Vie). – 2. ‘Federn schleißen’,  rten, 2: vereinz. n/mittleres OST. – 3. ‘bei der Hopfenernte die zuvor niedergelegten Hopfenstangen aus den Pflanzen ziehen’ 2: Bewohner-Altm 2,272.
Lautf., Gram.: awströpen STE-Ste; ströpte af 3. Sg. Prät. Heimatkalender-Je 1923,98 (JE2-Vie); awströpt Part. Prät. Bewohner-Altm 2,272; [afstrpm] vereinz. n/mittleres OST; affstrp’m Spr-Maa 432 (OST-Fe).
Ägidius PN ‘1. September’, Kalendertag des Heiligen – Wetterregel: So wie das Wetter an diesem Tag ist, so bleibt es noch 4 Wochen. 2: Bewohner-Altm 2,292.
1l m. TiN ‘Aal’ 1: verstr. nwaltm., 2: verbr. ndbrdb., verstr. mbrdb., 3: vereinz. elbostf. (außer n CA, dort verstr.), 4: verstr. omd. – Von’n Dessauer Jrmarrecht bracht’n se mrschtns an klnes Bund jercherte le mit. Wb-Ak 14; d l hett än klain Ml JE2-Scho; Rda.: Ei waren dät schöne Päere! Ganz schwart ... un glatt un blank wie’n Oal. Heimatkalender-Je 1927,120 (JE2-Vie); Dät is, as wenn’n Aol bäin Stert hät. ‘etw. kann leicht wieder verloren gehen’ Bewohner-Altm 1,320; tr is tich jlatt w an l von einem wendigen, aber verschlagenen Menschen gesagt, dem schwer beizukommen ist, Wb-Be.
Lautf., Gram.: A(a)l, [l] vereinz. nwaltm., JE2-Ma, verstr. ZE, JE1-Pe, vereinz. w elbostf. CA nthür., Richter o.J. 80; Aale Pl. ZE-Gö, OSCH-KloGrö, BE-KlMü, vereinz. w anhalt.; Aol, Oal, l, [l], [l] nwaltm. und nbrdb. in der Laienschreibung auch O(h)l, Ool verstr. nwaltm., verbr. nbrdb., vereinz. mbrdb. n elbostf., QUE-Di, vereinz. n CA w anhalt., DE-Ro; Aole, Oale, Ohle Pl. WO-Hei Li, JE2-Mö; Oln Pl. GA-Kä; Äle, Aele Pl. OSCH-NWe, CA-Ba Fe; Oal vereinz. sö JE2 JE1 (außer w JE1); Al CA-Eick; Aoa SA-Hen, GA-Bö; [ao], [ao] vereinz. nwaltm.; a SA-Han; [o] SA-Pe; Nbf.: Älerte Pl. CA-Ba.
Altmärker Pl. ‘Bewohner der  Altmark’ – Rda.: de Ollemärker sinn geizig, rutgäm daun se nich gärn 3: WO-GrAm; De Ollmärker pedden (treten) dänn Dreck daol un lopen unnern Reg’n weg. ‘Die Altmärker fürchten sich nicht vor Wind und Wetter’2: Bewohner-Altm 1,353.
ander Indefinitpron. verbr. I. allg. zum Ausdruck einer Nichtübereinstimmung: – 1a. jmd. oder etw. ist nicht identisch mit dem, dem es gegenübergestellt wird – jän- öwwer up de ändere Siete JE2-Gü; As Willem dreeuntwintig Jahr olt weer, keem Neijahr ’n anner Mad up’n Hoff: ... Heimatkalender-Ma 1931,84 (Altm.); n ännern Freint JE1-Wol; dor annere jd hinnordrch BE-Dro; dsig annere Schg n, es is madschich draußen DE-Ca; Rda.: Vor ander Lüe Dör sien Brot seuken ‘betteln’ Sprw-Harzvorld 374; anner Lü to Munn snacken ‘anderen nach dem Mund reden’ OST-Meß; Sprw.: froag nich, wat ännern moaken, acht upp dien eigen Sachen GA-So. – 1b. in Korrelation mit vorangehendem n/nerein b’t ander schtn ‘dicht stehen’, bes. von Feldfrüchten, Wb-Nharz 11; Rda.: half ein, half ander ‘zu gleichen Teilen’ Wb-We 45; ’t mihrt sick, sä jenn Mann, dunn kreeg häi een Uhrfig’ nao de änner. Bewohner-Altm 1,349; Met n Og in’t Gesicht, met ‘t änner in d’ Fick. von einem schielenden Menschen, Wb-Altm* 72; Sprw.: ’n sn Deod is annan sn Breot SA-Dä; den einen sien Uhl is den andern sin Nachtigall HA-Va. – 2. ‘anders geartet, von verschiedener Art’ – Der Wäschkenvater war awwer o an janz anderter Mauer wie die annern. Wäschke 71913,72; dat is wat andersch Wb-Nharz 11; Rda.: anderen Sinnes wren ‘seine Meinung ändern’ HA-Oh; in an’nere Umsten’ne sin ‘schwanger sein’ Wb-Ak 22; dat steit in’n ander Kapittel ‘das ist ein ganz anderes Problem, das ist noch völlig offen’ HA-Oh; Wetterregel: wenn sick de Häuner lusen, giwt et ander Wäder BA-GrAls. – II. in der Funktion eines Numerals: – 1. ‘der Nächste, Folgende’ – Dän ändern Dag wurre nu en Ploanwan turechte mockt ... Heimatkalender-Je 1927,118 (JE2-Vie); ... bet änner Woch ... Albrecht 21822 1,101; ... ‘n annern Morjen sahk der Harr Pfarre das Loch in sein’n Holzdiemn. Wäschke 61915,4; ... bet anner Jhr um düsse Tiet ... Brauch-wAltm 67 (GA-Nie); up jede Satte koam en poar Schplett, det man de ändere weder druppschtell kunne ZE-Ste. – 2. ‘der Zweite’ – ek hewwe noch en andern jungen Wb-Nharz 11; Rda.: al um’n andern Dach ‘alle zwei Tage’ Sprw-Börde.
Lautf. (ohne Berücksichtigung gram. Kategorien): ander-, [andr-] JE2-HSe, Dialekt-Ma 9/Mda-Ma 61 (JE1-Prö Walt, vereinz. ZE), Heimatkalender-Ze 1961,89 (ZE-Ze), verstr. elbostf., vereinz. anhalt.; nder- Mda-Sti 2; anner-, [anr-] vereinz. Altm., JE2-Gü Scho, ZE-Roß, Brauch-wAltm 67 (GA-Nie), Spr-Asch 22, BA-Ali GrAls, verstr. anhalt.; an’ner Wb-Ak 22; [an-] SA-Dä; [anr-] DE-Ca; [anrd-] BE-Fr KlSchie; änder-, [ändr-] vereinz. JE2, ZE-Ste; änner-, [nnr-] SA-Rist, verstr. Altm., JE2-Fi, Nd-KlWu 16, JE1-Wol, ZE-Hu; [äna] JE2-Scho; ender-, [endr-] Mda-nwJe1a 34/Dialekt-Ma 9/MdasJe1 2 (JE2-HSe, verstr. JE1, ZE-Göd, CA-Gli).
andrinken Vb. 1. ‘(beim Umtrunk) als erster in der Runde einen Schluck trinken’ 2: SA-Ra, 3: HA-Oh – Rda.: du bist wie de Schult von Boal (ON Badel), drinkst an un setzt wedder neben dei doal der so Angesprochene hat die Flasche mit dem Kornbranntwein nicht weitergegeben, SA-Ra. – 2. ‘Eröffnung eines Festes oder anderen Ereignisses mit einem Umtrunk’ 2: Vk-Anhalta 233 (ZE-Ser Sta), 3: Wb-Nharz 12 – Brauch: Die Eröffnung der Spinnstube wird alljährlich am 1. Advent durch den Genuss der  Brendewnskoltschle gefeiert. a.a.O. 12. Am Pfingstsonnabend wird nach dem Errichten der Maie das  Pingstgelge angetrunken. Vk-Anhalta 233 (ZE-Ser). In Stapen geschieht dies bereits etwa vier Wochen vor Pfingsten. a.a.O. 233 (ZE-Sta). – 3. in der Verbdg.: sik nen andrinken ‘sich betrinken’, vorw. im Part. Prät. ‘leicht betrunken’,  dn, 2: Bewohner-Altm 1,368, STE-Wa, Heimatkalender-Je 1923,94 (JE2-Vie), 3: HA-Oh – ... harre er met eenmmoal bes an’n Buck in’t kolle Woater ’estoahn, weil her annedrunken woar. Heimatkalender-Je 1923,94 (JE2-Vie).
Lautf., Gram.: andrinken HA-Oh; drinkst an 2. Sg. Präs. SA-Ra; annedrunken Part. Prät. Heimatkalender-Je 1923,94 (JE2-Vie); an- Part. Prät. Bewohner-Altm 1,368, STE-Wa; ndrinken Wb-Nharz 12.
Andrwer m. ‘jmd., der andere (zur Arbeit, zu höherer Leistung) antreibt’ 2: Bewohner-Altm 1,319, STE-Do, ZE-Roß – bei dän Polier arwet ick niche, det is’n Andraiwer a.a.O.; Sprw.: Go’n Andriewer is bätter as’n slechten Arbei’er. Bewohner-Altm 1,319.
Lautf.: Andriewer; außerdem: -draiwer ZE-Roß.
nen Vb. 1. ‘etw. (Unangenehmes) voraussehen, etw. im Gefühl haben’ 2: vereinz. nbrdb., 3: vereinz. w elbostf., 4: vereinz. omd. – ek heb’ et ent BLA-Brau; tas hawwich toch jlai jent, tas t nischt traus wurre Wb-Be; m het doch s wat all nt JE2-Scho. – 2. (refl.), in der Rda.: et nt (sik) (wat) von seltsamen, unerklärlichen Geräuschen und Erscheinungen gesagt, die nach dem Volksgl. Unheil ankündigen, auch ‘es spukt’ 2: Bewohner-Altm 2,213, Spr-Altm 33, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – Volksgl.: Wenn der Sor (Zeiger der Uhr) uf m stn bleiwet, nt sich was. Wb-Ak 16. Die Tischler merken am Klang der Sägen oder am Fallen von Brettern, dass jmd. im Sterben liegt. Bewohner-Altm 2,213. Geräusche im Haus ohne erkennbare Ursache deuten auf einen bevorstehenden Unglücksfall in der Familie oder Verwandtschaft hin. Wb-Nharz 12. Poltert es auf der Bodentreppe oder klinkt die Tür von selbst, stirbt bald jmd. aus der Familie. Brauch-Anhalt 3. Geräusche nach dem Tod eines Angehörigen werden dessen umgehendem Geist zugeschrieben, es kündigt sich weiteres Unheil an. Sprw-Börde.
Lautf., Gram.: ahnen, nen vereinz. w elbostf., Brauch-Anhalt 3; ahn’n Krause 1964,48; ’n Mda-Sti 3 und 16; ’n, [], [], [] Beiträge-Nd 59 (WO-HWa), JE2-Scho, Wb-Ak 16, Wb-Be; 3. Sg. Präs.: a(h)nt, nt Bewohner-Altm 2,213, Spr-Altm 33, Sprw-Börde, BLA-Brau, BE-Gö; oahnt, [nt] Matthies 1903,1, QUE-Di; ahnt Part. Prät. Francke 1904,81.
Anfang m. 1. ‘Ausgangspunkt, Beginn’ 2: vereinz. nbrdb., 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. omd. – mke man eml den Anfang BLA-Brau; In Ahnfange war eersch en orntijer Happen ejetten. Vk-Harz 8,30; Rda.: da finste keinen Anfang un kein Enne ‘es herrscht heillose Verwirrung’ Sprw-Börde; All’ Anfang is swar – sä de Bur, dao woll häi de Koh bäin Stärt in’n Stall trecken. von jmdm., der eine Angelegenheit verkehrt anpackt, Bewohner-Altm 1,323; Aller Anfang is swar, seggt de Dew, da slep’r ’n Möhlensteen weg. dass., Spr-Altm 88; Sprw.: Watt’n Anfang hätt, mütt ok’n En’n hämm’. Wb-Altm* 72. – 2. ‘erster Teil eines Zeitabschnittes’ 2: Hausfr-Altm 1929,23 (STE-KlMö), JE2-Gü Scho – et wor so Anfang September un buten wor ne bannige Hitze JE2-Gü.
Lautf.: Anfang; außerdem: Anfank, [anfak] JE2-Scho, HA-Oh, Wb-Ak 17, Wäschke 61915,31; Am- Krause 1964,37; Ahnfang BE-Neu; -fange Vk-Harz 8,30; nfank Wb-Nharz 12, Mda-Sti 3.