Minsche m., n. 1. ‘vernunftbegabtes, höchstentwickeltes Lebewesen’, sowohl mit Bezug auf die Gattung als auch auf das Einzelwesen, verbr. – dat kann kein Minsche theln HA-Oh; … dat hei dat gar keinen Minschen seggen künne! Rauch 1929,179; watt dat Minsch väör Geld hat! Wb-Altm 138; Hei war en braven, ehrlichen Minschen … Wedde 1938,7; Das wr kn unrechter Mensche. Wb-Ak 112; Mensch, schre dich doch nu endlich m weg Mda-Fuhne* § 9; in Ausrufen: Mensch Ausruf des Zorns und des Erstaunens, ZE-Roß; Minschen, Lüe un Kinder, is denn sauwat blos te glöm’n! Ausruf des Erstaunens, Rauch 1925,30; wer minsche, w kanste dat daun? zurechtweisender, tadelnder Ausruf, Wb-Nharz 127; Minsche, wat mkeste denne! dass., HA-Oh; Rda.: Himmel un Menschen ‘sehr viele Menschen’ ZE-Roß; Das jt de Menschen w de Leite. ‘Das geht allen so.’ Wb-Ak 112; Gott schuf Menschen, Fai (Vieh) un Affen – un dick hat hai ok nich forrjetten. Wb-Holzl 36; Wei Minschen denken un Gott lenkt. Bewohner-Altm 1,350; den Minschen sn Wille is sn Himmelrch Wb-We 88; Sprw.: greot Minsch is hf Lerra (Leiter) in Hius SA-Dä. – 2a. ‘Frau’ 2: Schwerin 1859,4 und 12, 3: Wb-We 88, Wb-Nharz 127 – … künn dät oll Minsch nich still to Hus sitten blieb’n … ? Schwerin 1859,12. – 2b. ‘Prostituierte’, auch ‘unordentliche, liederliche Frau’,  Slampe, 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 177, Spr-Anhalt 170.
Lautf., Gram.: Minsche verbr. elbostf.; Minsch, [min] SA-Dä, vereinz. Altm., HA-Ost (2b.), Ldk-Anhalt 2,51 (BA-Ra); Minsch(e)n Dat./Akk. Sg. Matthies 1903,7, Pohlmann 1905ff.,124, Rauch 1929,179, Wedde 1938,7; Minsch(e)n, [min()n] Pl. SA-Pü, Bewohner-Altm 1,350, vereinz. n Altm. elbostf., Mintsche QUE-Di; [minsk] SA-Dä; [minsk] Pl. SA-Da Hi Hö; [minn] Pl. SA-Jü; Mensche, [men] Mda-sJe1 7 (verstr. s JE1, ZE-Göd), vereinz. omd.; Mensch, [men] OST-Krum, vereinz. ö STE, JE2-Scho, Mda-sJe1 7 (JE1-Ka Ne Ve Zed), ZE-Roß, QUE-We (2b.), Mda-Fuhne 14 (DE-Ca); Mensch(e)n, [men()n] Pl. SA-Ev Pe, vereinz. n Altm., verstr. s Altm., Wb-Holzl 36, WO-HWa; [menn] Pl. SA-Chei Zie; Genus: (1.) m.; außerdem: n. belegt Wb-Altm 138; (2.) n. Zuss.: zu 1.: Kraftmensch, Manns-.
Minschenskind n. dass. wie  Minsche 1., bes. als Anrede und in Ausrufen, 2: Bewohner-Altm 1,350, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 112, Wb-Be, Wäschke 41920,18 – saun rmes minschenkint Wb-Nharz 127; Menschenskind, w kimmest du denn hr? Ausruf des Erstaunens, Wb-Ak 112; Minschenskint, wat haste bles e’ mket! zurechtweisender, tadelnder Ausruf, HA-Oh; Sprw.: Berg un Daol begegn’ sick nich, äöwer Minschenkinner. Bewohner-Altm 1,350.
Lautf., Gram.: minschenkint Wb-Nharz 127; Minschenkinder Pl. Rauch 1929,128; -kindere Pl. Klaus 1936,4; -kinner Pl. Bewohner-Altm 1,350; [mennkint] Wb-Be; in Ausrufen: Minschenskint vereinz. HA; Menschenskind Wb-Ak 112, Wäschke 41920,18; [mennskint] Wb-Be.
Misse f. 1. ‘katholischer Gottesdienst (mit der Feier der Eucharistie)’, vorw. in Rda., 1: Wb-Altm 268 (nw Altm.), 2: Bewohner-Altm 1,350, 3: vereinz. elbostf. – Rda.: du kümmst, wenn alle Missen sungen sind ‘du kommst zu spät’ Wb-Holzl 142; Wetterregel: regent et vorr de Misse, denn regent et de ganze Woche wisse (gewiss) HA-No. – 2. ‘Jahrmarkt’, vor allem der in einer größeren Stadt (z.B. Braunschweig, Magdeburg, Leipzig) stattfindende, 2: Wb-Altm 138, 3: verstr. elbostf. – de Brnswksche Misse HA-Oh. –3. ‘Einigkeit, Freundschaft’ 3: Wb-Holzl 142 (HA-Eil), Mda-War 13, HA-Oh – dat is mik awwer ne grte Misse Mda-War 13.
Lautf.: Misse verstr. elbostf.; Miss Wb-Altm 138 und 268, Bewohner-Altm 1,350; Messe vereinz. elbostf.
men Vb. refl. 1. ‘sich anstrengen, Mühe geben’ 2: Bewohner-Altm 1,341, 3: WO-Dru, OSCH-Di, QUE-Di – Sprw.: Wat jung is, dät rögt (rührt) sick, wat olt is, dät mögt sick. Bewohner-Altm 1,341. – 2. ‘sich grämen, betrübt sein, Mitgefühl empfinden, etw. bedauern’ 1: SA-Dä, 2: vereinz. Altm., 3: Wb-Holzl 143, Id-Eilsa 78 – hei meit sek Id-Eilsa 78; Se möjt sick … dät se ör Kind verlrn must. Wb-Altm* 63; Rda.: Dat mö’t mi recht ‘Das bedauere ich sehr’ Wb-Altm 139. – 3. ‘sich sehnen’ 3: Wb-Holzl 143, HA-War, Id-Eilsa 78.
Lautf., Gram.: möhen STE-Ho; m’n Wb-Altm 139; mögt 3. Sg. Präs. Bewohner-Altm 1,341; möjn Wb-Altm* 63; meuen HA-War, moien Wb-Holzl 143; meun QUE-Di; maün OSCH-Di; emäut Part. Prät. WO-Dru; mein Id-Eilsa 78; [mui] 1. Sg. Präs. SA-Dä.
1Mle f. 1. ‘durch Wind, Wasser oder Motorkraft betriebene Anlage zum Zermahlen, Zerkleinern von körnigem Material’, bes. ‘Getreidemühle’ verbr. – dai Möll schtit schtill SA-Dä; de Mülder is op de Mele HA-Oh; Denkst du, wenn seck dä Möhle dreiht, eck kann meck op dä Siete leggen? Klaus 1936,21; Rda.: Water op siene Mele ‘etw., das jmdn. unterstützt’ Sprw-Börde; hai hat einen opp der Mle ‘er ist verrückt, geistesgestört’ WE-Zi; Hätt de Möll man Wter, so fün’n sik k wl Gäst Trost für ein Mädchen, dessen Verlobter die Verbindung gelöst hat, Hochzeit-Altm 64; Rätsel:Wat iss dat Beßte an dai Mölle?
– Dat se von Holt iss.
Wenn se von Flaisch waire,
Denn harrn se de Kraihen oppefreetn.
Lieder-Ma Nr. 500
(WO-Ol);
Wekke Mähle hätt kan Water? – die Kaffeemühle, WE-El; Geiht un’ geiht un’ kümmt nich to Dörp? – die M., Bewohner-Altm 2,171; Eine mohle uf der Milde mit 4 gengen … Amt Dessau und Lippehne 1547–1549, Landreg-Anhalt 1,175. – 2a. ‘Brettspiel für zwei Personen, bei dem die Mitspieler versuchen, eine  Mle 2b. zu bilden’ 4: Wb-Ak 113. – 2b. ‘Figur aus drei nebeneinander liegenden Steinen beim Mühlespiel’ – Reim:Stripp, strapp, strull,
Miene Möll’ iss vull,
Miene Mölle gait,
Diene Mölle stait.
3: Lieder-Ma Nr. 753 (Umgebung von
Magdeburg).
Lautf.: Mö(h)le verstr. OSCH WE; Mele HA-Oh, WE-Wa; müöle OSCH-Di; Me(h)le, [ml] Sprw-Börde, OSCH-He, verstr. s elbostf., BA-Ha; Mähle WE-El; mäale Mda-Ro, male Dialektgeogr-Elbe/Saale 94 (verstr. sö ZE); Mle, [ml] verstr. s ZE, BA-Ha, verstr. anhalt.; Mölle, [möl] verstr. s Altm., vereinz. JE2, verstr. nw JE1 n elbostf., WA-Un; Möll, [möl] verbr. nwaltm. n/mittlere Altm.; [ml] Mda-Ar 32; Melle Wb-Holzl 142 (WA-KlWa), WA-Ste, melle Mda-Sti 176, [mel] MdanwJe1a 51 (JE1-Bie Ger), Mda-Ma 70 (verstr. s JE1), verstr. ZE n CA. Zuss.: zu 1.: Kaff-, L-, Molt-, l-; sonstiges: Huckemühle, Klaps-, Münte-.
Mlendk m. ‘angestauter Teich an einer Wassermühle’, vorw. im Bastlösereim, 2: Bewohner-Altm 2,191, STE-Je, 3: verstr. elbostf. (außer sö), 4: Vk-Anhaltb 76 (KÖ-Lö) – Bastlösereim:Plock, Plock Piepe,
oppen Möhlendieke
sitt en olle Hexe
mit en stumpen Messe,
wolle mek ‘n Hals awschnien
konne mek nich wedder kriegen.
WE-Asp.
Lautf., Gram.: Möhlendieke Dat. Sg. verstr. OSCH, vereinz. n WE, BLA-Be; Melndk HA-Oh; Möelendieke Dat. Sg. WE-Rok; mlendk Wb-Nharz 125; Mehlendieke Dat. Sg. Vk-Harz 3,63 (QUE-Que); Meehln- Dat. Sg. BLA-Ha; Mühlenteiche Dat. Sg. Vk-Anhaltb 76 (KÖ-Lö); Möll(e)ndieke Dat. Sg. Bewohner-Altm 2,191, STE-Je, WO-Schn, vereinz. HA, OSCH-Nei, WA-Re Schn, Lieder-Ma Nr. 351 (WE-Ro), WE-Dee; Mehldike Dat. Sg. OSCH-Da.
Mlenflgel m. ‘Flügel einer Windmühle’ 2: verstr. ZE, 3: HA-Oh, Id-Eilsa 79 – Rätsel: Veer Swestern krieg’n sick wat un krieg’n sick all mien Lew’ nich. – M., Bewohner-Altm 2,173.
Lautf.: Melenfloggel HA-Oh; [melnflöjl] Id-Eilsa 79; [mefll] Mda-Ze (verstr. ZE); [-fleal] ZE-Göd.
Mlenrad n. ‘Treibrad einer Wassermühle’ 2: Wb-Altm 139, Bewohner-Altm 1,346, 3: vereinz. w elbostf. – Rda.: ‘t geit mi in’n Kopp rümm ass’n Möllnrad ‘mir ist schwindelig, ich habe Kopfschmerzen’ Wb-Altm 139.
Lautf.: mlenrd BLA-Brau; Möll(e)nrad Wb-Altm 139, Bewohner-Altm 1,346; -rat HA-Bee; Möhlrad Klaus 1936,22; Melrd HA-Oh.
Möller m. 1. ‘Handwerker, der in einer Mühle körniges Material, bes. Getreide, durch Zermahlen zerkleinert’ verbr. – dor Millor wrmd sich in saine Faise (Stube in der Mühle) de Henne DE-Ca; Rda.: de milder hat ineschetten von einer tauben Nuß, Mda-Weg 107; Dät wärd sick hken (schwierig werden), haa d’ Möller säggt, haa’t söäbent Geboot bäden sollt. Firmenich 1854,122 (OST-See); Sprw.: Müllders un Bälgentreers (Person, die den Blasebalg der Orgel tritt) leewet von’n Wind HA-No; n Möller mütt’n ännern t d’ Möll helpen ‘Nur ein Müller ist in der Lage, eine bankrotte Mühle zu übernehmen’, auch ‘Betrüger nehmen auf ihresgleichen keine Rücksicht’ Wb-Altm 277; Öller (das Alter) is’n sweren Möller. Bewohner-Altm 1,350; Rätsel: Wennher is der Millder ohne Kopp in de Melle? – Wenne ut et Fenster kuckt. WA-Ste; Schnellsprech- übung: Mülldr Matthies, maok mik miene Matte Mehl, miene Muttr mutt mick morjen Middach Mehlmaus maokn. Lieder-Ma Nr. 184 (WO-Ol); Abzählreim: Ich un d, Mil’lersch K, Mil’lersch sel, das bis d. Wb-Ak 113; Kinderreim:Möller, Maoler,
Deerns kost’n Daler,
Jungs ‘n Duwndreck,
den feg’n wir all’ Jahr weg.
Spr-Altm 86;
Müller, Müller mahle,
de Scheppel kost’n Daler,
de Scheppel kost’n Sechser-
Olle Müller is’n Hexer.
Hbl-Ohre 1933 Nr.7/ohne Verf.
(WA-ABra);
Mülld’r, Mülld’r Metz’ndieb,
Hat die jung’n Maed’l lieb.
Lieder-Ma Nr. 812 (WO-Ol).
 scherzh., abw.: Huischütze Mlsack Mlworm Metzendieb Metzenstehler. – 2. ‘Maikäfer mit hellem Rükkenschild’,  Maikwer, 2: Vk-Anhaltb 65 (ZE-Po), 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 113. – 3. TiN ‘Kohlweiß- ling’, veralt.,  Klwittling, 3: Wb-Holzl 144. – 4. Dim. TiN ‘Grasmücke’, in versch. Arten vorkommend, 4: Vk-Anhalta 79.
Lautf.: Möll(e)r verstr. nwaltm. Altm., JE2-Mi War; [möl] verstr. s Altm., [möl] SA-Dä; [möl] verbr. nwaltm. n/mittlere Altm.; [möllr] Mda-nwJe1a 43 (verstr. nw JE1); Möl(l) der, [möldr] verstr. s JE2 n JE1, HA-Um; [möld] WO-HWa, HA-NHa; Meller vereinz. mittleres/s JE1; [mellr] verbr. mittleres/s JE1, Mda-Ma 70 (ZE-Dor), Mda-sJe1 19 (ZE-Göd); [mer] Mda-Ze (ZE-Gro Reu Stre); meldr ZE-Göd; [mlr] ZE-Kö; mlder Wb-Nharz 125 (nur im Reim); Müller vereinz. s nd. anhalt. (bes. in Reimen); Müllerchen Dim. Vk-Anhalta 79; Mül(l)d(e)r verbr. n/w elbostf., JE1-Wol; Mill(e)r JE1-Grü, vereinz. s elbostf.; [milr] verbr. mittleres/s anhalt.; [millr] vereinz. sw JE1, Mda-Ma 70 (vereinz. nö CA), Mil’ler Wb-Ak 113, [mir] Wb-Be; [mir] Mda-Ze (ZE-Roß); [mir] verbr. n anhalt.; [mir] ZE-Roß; Mil(l)d(e)r verstr. ö/s elbostf., BA-Ha, milder Mda-Sti 39; [mildr] QUE-He; [mldr] QUE-Hau. Zuss.: zu 1.: L-, l-; sonstiges: Kornmüller.
Möllermatte f. ‘Lohn des Müllers in Form eines Anteils am Mahlgut’ – Rda.: Paopensack un Möllermatt wer’n nich vull. 2: Bewohner-Altm 1,356.