Mme f. 1. Verwandtschaftsbezeichnung, z.T. veralt. – a. ‘Tante’ 2: vereinz. Altm., 3: Wb-Holzl 143, 4: Wb-Be – Sprw.: Mus un Mohm’! Katt frätt s’ bei’. ‘Der Tod macht keinen Unterschied.’ Bewohner-Altm 1,351; Reim: wat forrtellen fonn de Mume Rellen Wb-Holzl 143. – b. ‘Mutter’ 2: Wb-Altm 139, Beiträge-Altm 1,147, 3: Wb-We 88. – c. ‘Großmutter’,  Grtmudder, 3: Sprw-Börde, Wb-Nharz 124, QUE-Su – de Muhme hätt eren Enkel obn Schot QUE-Su; Reim: de rinne (Brotrinde) hrt’n (gehört dem) kinne, de kraume hrt’r maume Wb-Nharz 124. – 2a. ‘ältere Frau’, auch allg. ‘Frau’, bes. in der Anrede, 2: Beiträge-Altm 1,147, JE2-Scho, 3: Id-Eilsa 78, WA-Ste, 4: vereinz. anhalt. – de olle Mme Schultn’n het hte Jebatsdach JE2-Scho; Mme Bom’m km inne Schummerstun’ne immer rewwer un vorzlte was. Wb-Ak 113; Ich bin de Miehme Wewern von Peilendorf, Fritze Wewern seine Frau. Wäschke 61920,21; Kinderreim:Mieme Piepersche, Mieme Piepersche
keep mick ein Kleed, Kleed, Kleed, Kleed.
Ausdeutung des
Rufs der Lerche, WA-Ste.
– 2b. in der Verbdg.: Mme Sse ‘träge, langsame Frau’,  Trntte, 2: ZE-Roß, 3: Id-Eilsa 79, Wäschke 71913,43 – Mensch, bist du ne Mumesuse, da kann je eener auswachsen dorrweile ZE-Roß; Tanzreim: Mummesuse, leckeduse, hast anne Parn’ (Birne) in deine Ficke (Tasche), lankse doch mant eema raus. Wäschke 71913,43. – 3. ‘Schreckgestalt für Kinder, die angeblich im Getreidefeld sitzt’,  Roggenmme, 2: Vk-Anhaltb 47 (ZE-Cos), 3: a.a.O. 46 (BE-Gü) – Volksgl.: Das Wogen des Getreides im Wind wird als Wiegebewegung der M. (BE-Gü) oder als Ausstreuung von Sand durch die M. (ZE-Cos) gedeutet. Vk-Anhaltb 47.
Lautf.: [mm] JE2-Scho; Mohm’ Bewohner-Altm 1,351; Mm Wb-Altm 139; Moehne Id-Altm; Mn Wb-Altm 139, Möhn Beiträge-Altm 1,147; Maume, maume Sprw-Börde, Id-Eilsa 78, Wb-Nharz 124; Meune Wb-We 88; Mu(h)me, mme Vk-Anhaltb 47 (ZE-Cos), Wb-Holzl 143, vereinz. s elbostf., Wb-Be; Mühmken Dim. Beiträge-Altm 1,146; Miehme, Mme WA-Ste, vereinz. anhalt., mme Wb-Nharz 124 (QUE-Asch); Verbdg.: Mume Suse Id-Eilsa 79, Mumesuse ZE-Roß; Mummesuse Wäschke 71913,43. Zuss.: zu 2.: Kindermuhme, Lgen-, Nölmuhme; zu 3.: Krn-.
Morgenrt n. ‘rötliche Färbung des Himmels bei Sonnenaufgang’ 1: SA-Rist, 2: Wb-Altm* 72, Bewohner-Altm 1,320, JE2-Scho, 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Be – Wetterregel: Maoangrout – schlecht Wärro drout SA-Rist; Morgenrot, de Wind ward grot, oder et Water dorch’n Tune flot. Chr-Em 428.
Lautf.: Morgenrot vereinz. elbostf.; -rd Wb-Altm* 72; Morjenrot vereinz. elbostf.; -rood Wb-Holzl 54; -ret HA-Oh; -ruet WE-Rok; [morjnrt] Wb-Be; [morin-] JE2-Scho; Morr’inrod Bewohner-Altm 1,320; [mrout] SA-Rist.
Mudderharte n. ‘Herz einer Mutter’ – Sprw.: Mehl stöwt ümmer, Mutterhert gewt ümmer. 2: Bewohner-Altm 1,349.
mudderslenalln Adj. ‘ganz allein, verlassen’ 2: Wb-Altm 142, Bewohner-Altm 1,351, ZE-Roß, 3: HA-Oh, Wb-We* 228, Wb-Nharz 130, 4: Wb-Be – Ick war mutterseelen alleen to Hus. Bewohner-Altm 1,351.
Lautf.: mudderselnallene HA-Oh; mutterseelen alleen Bewohner-Altm 1,351; mutterseelenallene Wb-We* 228, mutterslenallne Wb-Nharz 130; muttersln alln Wb-Altm 142; [mutrzlnaln] ZE-Roß, Wb-Be; mdsln alln Wb-Altm 142.
Mltrummel f. 1. ‘Zupfinstrument aus Metall, das mit den Zähnen gehalten wird’ 2: Wb-Altm 141 und 278, Bewohner-Altm 1,341, 3: Wb-We 90 – Rda.: Watt sind mütt, mütt sind, sät de Jung, dao verköppt’r sien Mütz’ un köppt sick’n Multrummel. Bewohner-Altm 1,341. – 2. ‘Mundharmonika’,  Kibbekenrwe, 3: Wb-We 90.
Lautf.: Multrummel Bewohner-Altm 1,341; Mltrumm’l Wb-Altm 141 und 278; Nbf.: -trumm Wb-We 90.
Mrermann m. dass. wie  Mrer, 2: Bewohner-Altm 1,351, verstr. ö Altm. – Rda.: Swetdrüppen van’n Murmann is’n Dukaoten wert. Bewohner-Altm 1,351.
Lautf.: Murmann Bewohner-Altm 1,351; [muman] verstr. ö Altm.; [m-] STE-Buch Steg; Muhmann OST-Sto, STE-KlSchwa; [mman] OST-Dü.
1Ms f. 1. TiN ‘Maus’ verbr. – d lfd ne Maus DE-Ca; dai Ms gnauan (knabbern) an dat Breot SA-Dä; Uffen Bon’n hammer ville Meise. Wb-Ak 112; Rda.: de Müs pissen ‘es regnet fein’ OST-Sta; dat is Muus wi Maus ‘das ist einerlei’ Wb-Holzl 144; ‘t is Ms as Mn (Muhme) dass., Wb-Altm 139; hei st t w en pott vull mse ‘er sieht mürrisch, unzufrieden aus’ Id-Queb 12; H kickt ass ‘n Ms t ‘n Dunk Hd (Haufen Werg). ‘Er trägt eine zu große Kopfbedeckung.’ Wb-Altm 142; sitten w de ms in der falle ‘keinen Ausweg mehr wissen’ Wb-Nharz 130; dat hilpt for de Müse, sää de Bure, dunn stok’e sine Schüne an HA-No; Sprw.: Mse hecken Mse BA-Re; De Mus lett dat Nasch’n nich. Spr-Altm 82; mid Speck fängd man Ms GA-Da; lüttge Müse hett ook Swänze HA-No; de Miese, de morjens danzen, kriegt’n Abend de Katze WA-West; is de Katte nich te Hs, danzet de Mse op’n Dische HA-Oh; wenn de Müse dicke sind, smeckt et Mehl bitter OSCH-Eils; Wenn de Muus satt is schmeckt det Mehl bidder. Firmenich 1854,132 (STE-Ste); Kinderreim:t’ laip enne Muus
Umme Kauhheers Huus,
Den Tripp, den Trapp,
Den Berg hinab.
Lieder-Ma Nr. 100 (WE-Ro).
Volksgl.: M., bes. in Scheunen, werden durch die Ausräucherung der Räume mit der Asche eines verbrannten, übel riechenden Krebses bekämpft (BA-Rie). Als Mittel gegen M. gelten außerdem: am Johannistag gesuchtes Bilsenkraut, Johanniskrone, Echte Hundszunge, Zweige vom Vogelkirschbaum oder Knoblauch (BA-Bad). Vk-Anhalta 34. In den Zwölften wird von Dingern statt von M. geredet, um eine Mäuseplage zu verhindern. Gebräuche-Altm 83. Um Mäusefraß zu vermeiden, beginnt man mit dem Mähen an einem Sonnabend und fährt auch das erste Fuder an diesem Wochentag ein (KÖ-Ar). M. gehören zum Gefolge der Geister und besitzen deshalb Zauberkräfte. Von M. angefressenes Brot schützt vor Zahnschmerzen (ZE-Na). Wer eine M. laufen sieht, hat Unglück. Masssenweisem Auftreten von M. folgen teure Zeiten (CA-Zu). Vk-Anhalta 34. – 2. ‘Handballen unterhalb des Daumens’ 2: Wb-Altm 142, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – mich dd de Maus s w DE-Ca. – 3. ‘zähe Sehne im Muskelfleisch’,  Hrwass, 2: JE2-Cab, 3: HA-All. – 4a. Dim. ‘Kniescheibe des Pferdes’ 3: Wb-Holzl 144 (HA-Um). – 4b. Dim. ‘Geschwulst am Kniegelenk des Pferdes’ 3: JE1-Ca. – 5. ‘kleines  Kind’, Kosewort, 2: Bewohner-Altm 2,146. – 6. ‘kleiner Schlitten der Kinder’,  Slde(n), 2: WO-Me, HA-Som. – 7. Pl., auch in der Verbdg.: witte Mse ‘Geld’,  Zaster, 2: WO-Wo, vereinz. JE1, 3: verstr. n/ö elbostf., 4: BE-Neu.
Lautf.: Mu(u)s, Ms verbr. nd., Mda-Sti 34, BA-Ha; Museken Dim. (4a.) Wb-Holzl 144 (HA-Um); mes BLA-Brau; [ms] SA-Die; [müis] SA-Dä; [mius] verstr. nwaltm.; Miseken Dim. (4b.) JE1-Ca; Maus verstr. anhalt. – Gram.: Pl.: Müse vereinz. s Altm., JE2-Scho, verstr. n/w elbostf., Id-Queb12; Ms, [ms] verstr. nwaltm. n/mittlere Altm.; Miese, mse HA-AHa Hu, verstr. s/ö elbostf.; Muse, [mz] GA-Bo Le, CALV-Uth, verstr. ZE, Mda-Sti 34; Mäuse (7.) WO-Wo, vereinz. JE1 n/ö elbostf.; Meise verstr. anhalt. – Etym.: (7.) wohl aus Gaunerspr., Nbf. zu  2Ms, vgl. Wb-Rotw [3481]. Zuss.: zu 1.: Hassel-, Heu-, Hs-, Kerken-, Krabbel-, Miezmaus.
Musikant m. ‘Instrumentalist, der bes. zum Tanz und bei Umzügen spielt’ 1: Hausfr-Altm 1930,6 (SA-Die), SA-Dä, 2: Bewohner-Altm 2,135, Matthies 1903,39, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – Muskanten, spölt up Bewohner-Altm 2,135; … ehr Mann was Muskant west, spölte Sünndags un bi Hochtid’n un barbierte süs de Lü för fif Pennig. Hausfr-Altm 1930,6 (SA-Die).
Lautf., Gram.: musikant Id-Queb 12; Musekante, [mzekante] vereinz. elbostf., Wb-Be; Musekanten Pl. vereinz. n elbostf., Wäschke 71913,1, Richter o.J. 115; Muskant, [muskant] SA-Dä, Hausfr-Altm 1930,6 (SA-Die); Muskant(e)n Pl. Bewohner-Altm 2,135, Matthies 1903,39.
Muske f. 1. ‘Folge von rhythmisch gegliederten, melodischen Tönen’ verstr. – Musike machen ZE-Roß; dai Hund hiut (heult), wenn hai Musk hoiat SA-Dä; Rda.: mit Musik Ansage von Kontra beim Skatspiel, JE2-Nka; Danzen ahn Musik, dat is aber grad, as wenn’n drög Brot ett. Bewohner-Altm 2,135. – 2. ‘Tanzvergnügen’ 2: Heimatkalender-Ma 1930,84 (JE2-Vie), 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 117 – Musike war ok blos twei- bitt dreimal im Jahre … Klaus 1936,4; ‘n Sunntch sin de Mchens zu Muske jejangen. Wb-Ak 117. – 3. ‘Musikkapelle’ 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 117 – … de Musike mitt’n schönen Marsch vorweg … Rauch 1929,139.
Lautf.: Musike, [muzk]; außerdem: Musik, [muzk] SA-Dä, Bewohner-Altm 2,135, JE2-Nka. Zus.: zu 1.: Mkens-.
3n 1. Präp., verbr. – a. räumlich, zur Bezeichnung der Richtung oder des Ziels einer Bewegung – … de Näs nach … Bewohner-Altm 2,123; de fne schteit n morjen (Osten) Wb-Nharz 130; n Stadt Wb-Ak 118; ich fre n Gden (ON Köthen) DE-Ca; nan Marchte gahn HA-Um; na Bedde gan Wb-Holzl 144; … als hei noch na Schaule gung. Rauch 1929,68; ick hewe na Gruhe (Grude) kiekt HA-Bo; se sall mal na mick rummekieken WO-Dru; ich je nn Jrsfdor BE-He. – b. zur Bezeichnung des Zwecks einer Bewegung oder Handlung – ik j n Inkp’m JE2-Scho; ick will no Pläuen (Pflügen) moken CA-Schw; wei gungen to silfdritt na’n Bahn (Baden) OSCH-Crot. – c. zur Bezeichnung des zeitlich Nachfolgenden – nah Pingesten Id-Eilsa 80; no Lichtmeß OST-Dü; Noa Mitternacht … Matthies 1903,34; n te Arwt Wb-Be; n jren Wb-Nharz 130; n es Essen gannsde m gom’m DE-Ca; de Wch is n ‘n Frost sau holperich HA-Oh. – d. zur Bezeichnung des in einer Reihe oder Rangfolge Nachfolgenden – d kimt n mek Wb-Nharz 130; Rda.: D Arwt kimmt jlei n’s Hun’ne-flen! ‘Das ist eine langwierige Arbeit.’ Wb-Ak 72; ‘t mihrt sick, sä jenn Mann, dunn kreeg hei een Uhrfig’ nao de änner. Bewohner-Altm 1,349. – e. ‘entsprechend, gemäß’ – wenn’t n mik jinge HA-Oh; n mnen forschtanne Wb-Nharz 130. – f. in Abhängigkeit von bestimmten Verben – wei hett ok mal nan Träckedinge (Ziehharmonika) danzet OSCH-Wu; dunn harr’e drei Dage nah’n oold Stücke Isen e’socht HA-No; Rda.: de Liere noat Muhl schwatzen ‘anderen nach dem Mund reden’ ZE-Gri. – 2. Adv. – a. in der Verbdg.: n un n ‘allmählich, schrittweise erfolgend’ vereinz. – ick ging noa un noa ümmer titiger tom Inköpn … Hausfr-Altm 1925,55. – b. in Verbdg. mit up ‘bis auf’ 3: HA-Oh, Wb-We 91, Wb-Nharz 130 – bett op einen n HA-Oh; op finnef dlder n heww’ek alles betlt Wb-Nharz 130. – c. in der Verbdg.: de Wind steit n ‘der Wind kommt von hinten’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 438 (STE-Bit, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 438 (CA-Ak). – d. als abgetrennter Teil von Adverbien (danach, wonach) vereinz. – Heischevers:Gewwet en Stücke Schinken,
da künn wi braav n drinken!
Brauch-wAltm 67 (GA-Nie).
Lautf., Gram.: na(h), n SA-Ho Se Stör, OST-Alt, STE-Schi, Nd-KlWu 17, JE2-Gü, verstr. elbostf. anhalt.; nach Bewohner-Altm 2,123, ZE-Steu, vereinz. sö elbostf., CA-Zu, DE-Que; nao, noa, n SA-Pü, verstr. Altm., vereinz. JE2, ZE-Kö Roß, Lieder-Ma Nr. 852 (WO-Ol), Tiedge 1954,39 (HA-Ost), Wb-Be, n Brauch-wAltm 67 (GA-Nie); [n] Wb-Be; [nao] SA-Dä; no(h), n vereinz. nwaltm., OST-Dü See, Hausfr-Altm 1927,43 (STE-Ber), STE-Kö, Sprw-Harzvorld 374, QUE-Di, BA-Gü, CA-Schw; no Mda-Sti 36; mit Enklise des bestimmten Art.: Akk. Sg.: na(h)n m. verstr. elbostf.; na(h)t n. GA-Dee, STE-Ta, JE2-Par, ZE-Ze, vereinz. elbostf.; nas n. vereinz. anhalt.; naon, nn m. JE1-Pre, QUE-Ga, BE-He; naot n. OST-Kre, GA-Klin, STE-Ga, JE1-Wa, ZE-Gri, HA-Hi, CA-Pö We; naos n. DE-Ho. Zuss.: zu 1c.: hr-; zu 1d.: hinden-, hr-.