genspgel m. ‘Beispiel’, auch von negativen Beispielen, 1: SA-Dä, 2: Wb-Altm 149, Bewohner-Altm 1,353 – Dao nämm Og’nspee’l an. Bewohner-Altm 1,353.
Lautf.: g’nspgel Wb-Altm 149; Og’nspee’l Bewohner-Altm 1,353; [eogpaig] SA-Dä.
l m., n. wie Standardspr., 2: Bewohner-Altm 1,348, Matthies 1903,3, verstr. mbrdb., 3: verstr. elbostf., 4: BA-Ha, Wb-Be – el sln ‘Speiseöl herstellen’ HA-Oh; Rda.: Eel int Fier geiten ‘die Situation verschlimmern’ BA-GrAls.
Lautf.: Öl, [l] Mda-nwJe1a 50 (vereinz. nw JE1), Lieder-Ma Nr. 246 (WO-Ir), Sprw-Börde, BA-Ha; el HA-Oh, [l] MdanwJe1a 50 (vereinz. nw JE1); Öäl Bewohner-Altm 1,348, Matthies 1903,3; üöl OSCH-Di; Eel, [l] Mda-sJe1 27 (JE1-Pe Ra), Mda-Ze (ZE-Roß), vereinz. s elbostf., Wb-Be; El QUE-Di; Äl, [l] Mda-nwJe1a 50 (verstr. mittleres JE1), Bauernwelt-Ze; [al] Mda-sJe1 27 (verstr. s JE1, ZE-Göd), [al] Mda-Ze (ZE-Gro Reu Stre). – Gram.: m.; außerdem n. belegt: HA-Oh. Zuss.: Katharinen-, Lebens-, Ln-, Mn-, Oltpters-.
olt Adj. 1. ‘nicht mehr jung, bejahrt’ allg. – lauter olle Leite Alt-Cöthen 8; dat Paiad (Pferd) is all d SA-Dä; Dä Zeitung brochte ole Simon von Darßen alle acht Da’e einmal … Klaus 1936,2; subst.: Dat harre den Ollen gefall’n … Rauch 1929,126; Rda.: je ölder je dummer Wb-We 95; je ölder, je dölder HA-Oh; Sprw.: Olt Mann, jung Ww, Slechten Ttverdrw. Hochzeit-Altm 63; Olt bi olt un jung bi jung. Spr-Altm 76; man word olt wie ne Kau un leert noch immer tau Sprw-Börde; man ward te freuh olt un te späde gescheut WO-Gu; n’ elen Hunt is nist mer btebringen HA-Oh; Kinner un oll Lü’ seng’n die Wahrheit. Bewohner-Altm 1,344; Olt un kolt un kain Vörmoejen, Dat sünt drai Dinge, dai niss ‘toejen. Lieder-Ma Nr. 779 (WO-Ol). – 2. ‘ein bestimmtes Alter habend’ allg. – … all fäftig Johr olt … Hausfr-Altm 1927,41 (STE-Ber); W düse vair Jre lt wr … Tiedge 1954,39; Paul war zwee Joahre ölder as Max … Heimatkalender-Je 1927,118 (JE2-Vie). – 3a. ‘nicht mehr neu, lange gebraucht, abgenutzt’ verbr. – dor wnd awwor in anne le Bde DE-Ca; der Kn is ald Elbschifferspr. 318 (WO-Ro); Sprw.: an’n eln Slarm’n (Pantoffel) is nich mer fel te flicken HA-Oh. – 3b. ‘seit längerer Zeit vorhanden, vor langer Zeit entstanden’ verstr. – olle Jeschichten JE1-HWa; de ollen Buerjeschlechter Lautdenkmal 1937 (OST-Schön); Rda.: hei is noch t de ele Welt ‘er ist altmodisch’ HA-Oh; Hei war von de ole Mode … dass., Wedde 1938,77. – 3c. ‘vom vergangenen Jahr’ vereinz. – Mr kochen noch le Kartoffel’l un kfen noch kne neien. Wb-Ak 15. – 4. Ausdruck einer vertraulichen Einstellung zu Personen, vereinz. – Uns’ oll klein Jung … Wb-Altm* 64; ollet Hs JE2-Scho. – 5. zur negativen Charakterisierung von Personen, Tieren und Sachen, verbr. – oller Dummkopp ZE-Roß; tr le Fatske Wb-Be; d le schpskop brke k nich te kommen Wb-Nharz 137; De olle Tache (Hündin) Spr-Asch 42; d ’l Micken sin awwer z lestich. Wb-Ak 15; d het d olle Tsicke awärra henneköddelt JE2-Scho; sönne olle Schiete HA-Bee.
Lautf.: olt, old [olt] vereinz. ö/s nwaltm., verbr. brdb. n/ö elbostf.; oll Id-Altm, Wb-Altm* 64; [lt] Mda-Ar 24, Siedler-Je § 74 (JE2 JE1); oolt, oold, [lt] Wb-Altm 149, verbr. w/s elbostf., Mda-Sti 4, BA-Ha; elt vereinz. w elbostf.; [t], [d] verbr. nwaltm.; uot OSCH-Di; [ald] Elbschifferspr. 318 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa); lt KÖ-KlPa; [lt], [ld] verbr. anhalt. – Gram.: sw. (m., f., n.) Nom. Sg./gem. Dekl. f. Nom. Sg., auch subst.: olle, [ol] verstr. s Altm., JE2-Gü Scho, verbr. mbrdb. n/ö elbostf., Wb-Be, Alt-Cöthen 8; oll, [ol] verstr. nwaltm. nbrdb.; [l] Siedler-Je § 136d (JE2 JE1), Teuchert o.J. 83 (JE2-GrMa); o(h)le, [l] verbr. w/s elbostf., Mda-Sti 38, KÖ-Ed; ele HA-Oh, [] Id-Eilsa 81; alte vereinz. anhalt.; ahle KÖ-GrPa, Richter o.J. 5; aole, [l] Mda-Ro, BE-Gü, verstr. anhalt.; subst. Pl. (1.): Ollen Rauch 1929,126; Olen, l’n WE-Velt, Wb-We 95, Mda-Sti 4; elen HA-Oh; Kompar.: ölder Heimatkalender-Je 1927,118 (JE2-Vie), Wb-Holzl 147, HA-Oh, Wb-We 95; öller STE-Hü, JE2-Schön; elder Wb-Nharz 137, Mda-Sti 9; [elr] QUE-Di; [er] ZE-Roß.
r n. ‘paarig vorhandenes Gehörorgan’, bes. des Menschen, allg. – kolte Ohrn CA-Tra; ik kann mit de ern wackeln HA-Oh; d musd m daine orn waschen DE-Ca; hinder de Oren slen Wb-We 96; Rda.: de ren opkneppen ‘genau zuhören’ Wb-Nharz 141; … un spitz doabi de Ohr’n. dass., Matthies 1903,20; sek opt r leggen ‘schlafen gehen’ Wb-We 96; b de ern krn ‘zur Rede stellen’ HA-Oh; in de Ohrn lien ‘unablässig bitten’ Sprw-Börde; umme de ren schln ‘absuchen’ Wb-Nharz 141; sik de Nacht umme de ern sln ‘nicht zum Schlafen kommen’ HA-Oh; Hinner de Ohr’n schriew’n. ‘sich etw. gut merken’ Spr-Altm 79; is op beie Ohrn dof ‘ist für eine Sache unzugänglich’ Sprw-Börde; d hat hei keine Oren tau ‘das will er nicht hören’ Wb-We 96; De Uhren stief holl’n. ‘den Mut bewahren’ Bewohner-Altm 1,364; de ren hengen lten ‘niedergeschlagen sein’ Wb-Nharz 141; wie hinder de Ohren jeseicht dass., Sprw-Börde; Bnen in den Oren hebben ‘schlecht hören können’ Wb-We 96; hei krijjt wecke hinder de ren ‘er bekommt Ohrfeigen’ HA-Oh; er hat’s hinger de Uhren ‘er offenbart sich jedem schnell’ Spr-Anhalt 166; hai hat fingadick hinna Eoan to sitt’n ‘er ist sehr verschlagen’ SA-Dä; is noch nich drege hinder den Oren ‘ist noch unerfahren’ Wb-We 96; bet ewwer beie Ohrn in Schullen stecken Sprw-Börde; dat Fell wer de ern trecken ‘jmdn. übervorteilen, betrügen’ HA-Oh; einen hinder’t r schtten dass., Wb-Nharz 141; ewwert Ohr hauen dass., Sprw-Börde; Sprw.: Mit de Ohren, wu ek andere midde höre da hör’ ek mek ok sülwest midde. ‘Was ich über andere höre, kann auch für mich gelten.’ Sprw-Harzvorld382. – Volksgl.: recht Ohr schlecht Ohr, link Ohr kling Ohr Sprw-Börde.
Lautf., Gram.: Ohr, [r] Sg., Ohr(e)n Pl. Wb-Altm 206, Spr-Altm 79, Matthies 1903,20, Mda-Ar 38, vereinz. sw Altm., verbr. elbostf., Mda-Sti 23, verstr. w anhalt.; [] vereinz. s Altm.; [] vereinz. ö nwaltm., verbr. w/n Altm., WO-Zi Zie; er HA-Oh, er Mda-Weg 109; [ern] Pl. Id-Eilsa 81; [rn] Pl. Mda-Fuhne 81 (verstr. BE sw KÖ, verbr. ö DE; verstr. anhalt., jüngere Generation); Ohre, [r] verbr. mbrdb., vereinz. w JE1; Uhr Sg., Uhr(e)n Pl. Bewohner-Altm 1,364, OST-Möl, STE-Je, JE2-Schön, Spr-Anhalt 166; [] STE-Buch Steg, Siedler-Je § 127 (n JE2); [] OST-Kru, verstr. STE; U’ern Pl. Serimunt 1930 Nr. 82; [rn] Mda-Fuhne 81 (verbr. w/mittleres anhalt., ältere Generation); [r] Siedler-Je § 127 (JE2), JE2-Scho; uor OSCH-Di; uere Mda-Ro; [eo] verbr. nwaltm. Zuss.: Hsen-, Mse-.
rfge f. ‘Ohrfeige, Schlag mit der flachen Hand auf die Wange’,  Prgel, 2: Bewohner-Altm 1,349, OST-Meß, 3: verstr. elbostf., 4: BA-Neu, Wb-Be – et jift ane Ohrfaje Spr-Asch 17.
Lautf.: rfge OSCH-Har, Wb-We 96; Oorfi’e Wb-Holzl 150; -fi, [rf] OST-Meß, vereinz. mittleres/s elbostf., BA-Neu; -fie’n Pl. Lindau o.J. 146; [-faije] Wb-Be; Ohrfaje Spr-Asch 17; erf HA-Oh; Uhrfig’ Bewohner-Altm 1,349.
Osse m. 1. ‘kastriertes junges männl. Rind’ 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. nbrdb. n mbrdb., verstr. ZE, 3: verbr. elbostf., 4: verstr. omd. – d Osse het tw Höäna JE2-Scho; dai Oss wrd anschpannt tum Treckng SA-Dä; Rda.: dumm w’n Osse HA-Oh; stiert wie so’n Osse Vk-Harz 3,46; brüllt as’n Os ‘weint laut und heftig’ SA-Ben; sau grde, w de Osse pisset Bemerkung, wenn jmd. in Schlängellinie geht, HA-Oh; de hat sau veel Gefühl als wenn’n Ossen in’t Höörn knippt HA-No; da steit de Osse an Brge ‘jmd. ist völlig ratlos’ WE-Be; dor schdd d, w dor Ogse forsch naie Dor dass., DE-Ca; witt woll’n Ochsen brot’n Bemerkung, wenn jmd. ein zu großes Feuer unterhält, BA-Ha; Hü’! Ossen, dremmelt ju nich, sä de Köster to dänn een’n Ossen, dänn’r vör’t Plog har. Bewohner-Altm 1,354; Sprw.: en Ossen un’n Feuer (Fuhre) Mess sall’n ut’n Wä gn WE-Be; Ful Ossen leg’n sick nich gärn henn, de gröwwelt (graut) vör’t Upstaohn. Bewohner-Altm 1,354; wat kann man von’n Ossen völangen as en Stück Rindfleesch von einem groben, ungehobelten Menschen, OST-Möl; wär kann’n Ossen dat Bölken vorwehr’n HA-No; Wat weet de Os van’t Jöck, wenn’r nich treckt hät. Bewohner-Altm 1,354; wer keinen Ossen hat, dne kann kein det gn HA-Oh; wat de Osse innen Buke hat, hilpet mittrecken WA-Hak; In’n Oss hört (gehört) Str in’n Brn hörn Röwen (Rüben). Wb-Altm 269; ‘s word mannijer Okse jeschlacht, w mor kn Vart’l von krt ‘von vielen Dingen hört man nichts, bekommt man nichts ab’ Wb-Ak 123; Rätsel: wievöl Ossen werden im Jahr geborn? – garkein! SA-Gü; wo hat de Oss d’ meist Flesch? – twüschen Kopp un Swanz. STE-Wa; Reim:Dän Ochsen jifft dat Woat’r Kraft,
Dän Jüngling Bair un Räb’nsaft;
Drum, Freundchen, drinke Bair un Wien,
De Deuw’l wollt’e Ochse sien.
Lieder-Ma Nr. 695 (WA-Eg).
Btling Bulle Jungosse Landosse Ossenkalf Str. – 2. ‘Zuchtstier’,  Bulle, 2: SA-Jeg, OST-Ren, GA-Jä, JE1-Scha Stei, ZE-Wö, 3: HA-Uhr, vereinz. s elbostf., 4: BLA-Sti. – 3. ‘dummer, begriffsstutziger Mensch’, Schimpfwort,  Dussel, 2: ZE-Roß, 3: HA-Bee Oh, 4: Wb-Ak 123, Wb-Be, DE-Ca – bass uff d Ogse, w de hinlfsd DE-Ca.
Lautf.: Osse, [os] verstr. s Altm., vereinz. n JE2, verbr. mittleres/s JE2 JE1, verstr. n ZE, ZE-Stre, verbr. elbostf. (außer CA), Mda-Sti 14; Oss, [os] verbr. nwaltm. n/mittlere Altm., JE2-Neu Reh, Wb-We 96; Osso OST-Pe; [s] GA-Da, JE2-Par; [s] SA-Rist, Mda-Ar 29; Ochse, [oks] OST-Ar Ren, vereinz. n GA, JE2-Jer, vereinz. w JE1, JE1-Zie, verstr. s ZE, BA-Rie, verbr. n CA, verstr. omd.; Ochsen Dat. Sg. Lieder-Ma Nr. 695 (WO-Ol); [ogs] verstr. BE, Mda-Fuhne 35 (DE-Ca). Zuss.: zu 1.: Hand-, Jung-, Land-, Lnigen-, Ln-, Mast-; zu 3.: Heu-, Hrn-, Meisterochse.
Ossenbrille f., nur in der Rda.: Sick de Ossenbrill’ upsetten. ‘sich die Hand über die Augen halten’ 2: Bewohner-Altm 1,354.
sterei n. ‘gefärbtes und gekochtes Hühnerei, das zu Ostern verschenkt wird’ verstr. – dat Eostai is gruin fft SA-Dä. – Brauch: Die O. wurden vornehmlich mit Zwiebelschalen (verstr.), Zichorie (Vk-Altm 226, Brauch-wAltm 35) oder grüner Saat (Wb-Ak 123) gefärbt, z.T. wurden Abziehbilder auf die Eier geklebt. Vk-Anhaltb 28 (verstr. ZE, vereinz. BA). Die versteckten O. mussten von den Kindern gesucht werden. verstr. Sowohl Kinder als auch Erwachsene tauschten die bemalten oder verzierten Eier untereinander. Brauch-wAltm 35. Die Kinder erhielten von ihren Paten O. verstr. In den Orten des Kalbeschen Werders zogen zu Ostern die Kinder durch den Ort, um Eier zu erheischen. BrauchwAltm 36. Die Bewohner eines Ortes hatten an Pfarrer, Kantor oder Lehrer eine festgelegte Anzahl von O. zu zahlen. Brauch-wAltm 37f., Vk-Anhalta 224. O. standen auch im Mittelpunkt versch. Spiele zu Ostern: Die Kinder ließen sie von einem Abhang herunterrollen. Dessen Ei unversehrt blieb, wurde Sieger und bekam die Eier der anderen Mitspieler. verstr. ( Eierkullern, Eiertrdeln). Statt des Herunterrollens wurden auch die Eier zweier Kinder aneinander geschlagen. Bewohner-Altm 2,250, Brauch-Ma 262 (HA-Sü), Vk-Anhaltb 28 (vereinz. ZE, BA-Ali Ba, vereinz. BE). In Klein Paschleben wurde zu Ostern ein Eierlaufen veranstaltet. Vk-Anhalta 29. – Volksgl.: Die Vorstellung, dass der Osterhase die Eier bringt (verstr.), hat sich erst allmählich im 19. Jh. durchgesetzt. Daneben sind es Kuckuck (verstr. nwaltm. w Altm.), Wiedehopf (Brauch-wAltm 37 – SA-Has), Hahn (Brauch-wAltm 37 – SA-Böd, verstr. ZE, HA-Oh, verstr. w anhalt.), Huhn (ADVk Kt. 32 – Einzelbelege Altm. JE1 ZE WE BLA, Vk-Anhaltb28), Auerhahn (ADVk Kt. 32 – 2 Belege WE) und Fuchs (ADVk Kt. 32 – verstr. ö Altm. JE1, Vk-Anhalta 225 – BE-GrMü). Durch das Hochwerfen von O. auf einer Wiese soll deren Fruchtbarkeit gefördert werden. Vk-Anhaltb 29 (BA-Schie Sip, vereinz. anhalt.).
Lautf.: Osterei; außerdem: ester- HA-Oh, Mda-Weg 101; [eosti] SA-Dä.
sterfer n. 1. ‘zu Ostern im Freien entzündetes Feuer’ 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. w Altm., vereinz. ö Altm. JE2 JE1, verbr. ZE, 3: verbr. w elbostf., verstr. ö elbostf., 4: vereinz. anhalt. – Brauch: Das O. wird am Sonnabend vor Ostern (verstr.) oder am Ostersonntag (SA-Mel, Vk-Harz 8,42 – verstr. Nharz., Vk-Anhalta 223 – verstr. BA) entzündet. Die älteren Burschen haben das Recht, das Holz für das O. zusammenzusuchen. Dazu werden aus dem Wald trockene Äste und Buschwerk geholt. Gesammelt wird auch bei den Dorfbewohnern, die z.B. alte Weihnachtsbäume, Reisig oder Stroh bereithalten. verstr. In einigen Orten muss sämtliches Brennmaterial gestohlen sein. Das Holz wird auf einem festgelegten Platz, meist außerhalb der Ortschaft, oder auch an wechselnden Orten (Vk-Anhalta 223) formlos (verstr.) oder in Pyramidenform (verstr. nwaltm. w Altm.) um einen in der Mitte stehenden Pfahl oder um einen hohen entästeten Nadelbaum (verstr.) geschichtet. In eine freigelassene Höhlung wird Stroh zum Entzünden des O. gesteckt. verstr. Am Tag des Abbrennens wird an den Mittelpfahl ein Teerfass (verstr.), ein Bienenkorb (Brauch-wAltm 40) oder eine Strohpuppe (verstr. nwaltm. w Altm., ADVk Kt. 27 – Einzelbelege ZE WA) gehängt. Erreicht das Feuer, das durch einen älteren Schuljungen (verstr.) oder einen Erwachsenen (Vk-Anhalta 223 – ZE-Brä) entzündet wird, diese Puppe, wird dies lautstark begrüßt. verstr. nwaltm. w Altm. Verbr. ist das Schwenken von brennenden Teerfässern oder glühenden Reisigbesen. Das Springen über das O. ist bereits Ende des 19. Jh. nicht mehr zu beobachten. Brauch-wAltm 42. – Volksgl.: Das starre Blicken in die Flammen des O. soll die Sehkraft stärken. BrauchwAltm 42. Das Ackerstück, auf dem das O. angezündet wurde bzw. die vom Feuer beschienene Fläche ist im kommenden Sommer vor Hagel sicher, so dass dort eine gute Ernte erwartet werden kann. verstr. Die Asche des O. besitzt heilende oder Segen bringende Kraft, sie dient als Heilmittel gegen Krankheiten von Tier und Mensch (verstr.), z.B. zerrieben und mit Fett gemischt als Salbe gegen Gesichtsrose (Bewohner-Altm 2,249). – 2. ‘gro- ßes Feuer’ 3: Wb-Nharz 142.
Lautf.: Osterfüer; außerdem: sterfr Wb-Nharz 142; Osterfeier CA-Ca, [strfair] Wb-Be; esterfer HA-Oh, [estrfr] Id-Eilsa 82.
werdnig Adj. 1. ‘ausgelassen, übermütig, unbändig’ 1: SA-Rist, 2: Wb-Altm 9, SA-Rie, Mda-Ar 51, 3: Wb-Holzl 150 (HA-Alt), Wb-We 95. – 2. ‘verrückt, geistesgestört’,  dusselig, 2: STE-Wa. – 3. ‘betrunken’,  dn, 2: Bewohner-Altm 2,129.
Lautf.: öwerdönig SA-Rie, STE-Wa; äöwer- Wb-Altm 9; [vdni] Mda-Ar 51; [vdni] SA-Rist; äwerdönig Bewohner-Altm 2,129; owerdönich Wb-Holzl 150 (HA-Alt); öbberdanig Wb-We 95.