Lappe(n) m., f. 1. ‘(minderwertiges) kleines Stück Stoff’, bes. ‘Tuch für einen bestimmten Zweck’, auch ‘altes, schlechtes Kleidungsstück’,  Lumpe(n), 2: Bewohner-Altm 2,90, OST-Werb, verbr. mbrdb., 3: verbr. elbostf., 4: verstr. omd. – ich hawwe mich in Finger jeschnitt’n, mache mich doch m an Lapp’m drum! Wb-Ak 102; Rda.: dörch de Lappen gahn ‘sich entgehen lassen, verlieren’ Sprw-Harzvorld 399; op de lappen (Fußlappen) trn (treten) ‘energisch auftreten’ Wb-Nharz 114; dat kummet fon Lappen in’n Plünnen ‘das bleibt sich gleich’ Sprw-Eils 39. – 2. in der Verbdg.: n’ blauen Lappen ‘Hundertmarkschein’ 3: HA-Oh. – 3a. ‘Augenlid’, nur im Rätsel, 2: OST-GrRo, Lieder-Ma Nr. 429 (WO-Ri) – Rätsel:Zwee rauhe Lappen,
De tosamme klapp’n,
Ringsum mit Hoarn bewus’n,
Inwendig löppt doa Woat’r ruut.
Lieder-Ma Nr. 429 (WO-
Ri).
– 3b. Pl., nur in der Rda.: nen wat up de Lappen gwen ‘jmdm. tüchtig die Meinung sagen’ 2: Bewohner-Altm 1,348, 3: Wb-Nharz 114. – 4. ‘in Stücke geschnittener, gekochter Weißkohl’ 4: Mda-Fuhne 162 (verstr. n/w anhalt.).  TZ: Langkl Lappenkl Ltschenkl.
Lautf., Gram.: Lappen m./Pl. vereinz. Altm., verstr. elbostf.; Lapp’m, [lap] ZE-Roß, verstr. anhalt.; [lab] vereinz. anhalt.; lppen Mda-Sti 13; Lappe f. verbr. mbrdb., vereinz. ö elbostf., Wb-Nharz 114. Zuss.: zu 1.: Kopper-, Kopp-, Nutsch-; sonstiges: Jammer-, Kl-, Klebe-.
1lgen Vb. ‘wissentlich und absichtsvoll die Unwahrheit sagen’, allg. – hei hat e’ ln HA-Oh; lk doch nich! Wb-Ak 106; Rda.: De Hucke vull lei’en Sprw-Harzvorlg 264; de Jacke full lein HA-Oh; hei lücht, wenn’e ‘t Ml opdeiht HA-Oh; leucht wie jedrucktVk-Harz 3,46; licht, dat ‘e schwimelich (schwindelig) worst Sprw-Börde; lein, dat sek de Balken böet Sprw-Eils 39; he kann leeg’n as en Pärd in’n Sprung löppt Spr-Altm 77; hei lücht, un wenn ‘ne de Speck t de Ficke (Tasche) kket HA-Oh; wer kann, dee lai’e besser Wb-Holzl 133; wr licht, d sal de karche in’n darpe lten Wb-Nharz 116; wr licht, d sal de hakke n’n schtle lten a.a.O. 116; Sprw.: wat anfängt mit Leigen, mot ennen mit Bedreigen Chr-Em 429; wr lüggt, dei drügt, wr drügt, dei stlt, wr stlt kummt an den Galgen Wb-We 82.  TZ: klen 1kunkeln lgnen lurren.
Lautf.: leg(e)n verstr. Altm.; [lg] verstr. ö/sö SA ö GA; [l] SA-Ev Zie, OST-Bi; lej(e)n, [lj()n] verstr. sö OST n STE, WO-Col Zie, Dialekt-Ma 7 (verstr. sw JE1), Mda-Sti 53; [ln] verstr. mittleres OST, STE-Bad; [l()n] Mda-Ze (ZE-Reu Stre); leen, [ln] JE2-Ni, verstr. JE1, ZE-Göd; [ln] ZE-Kö; [l] Mda-Ze (ZE-Gro); leig(e)n SA-Scha, vereinz. n elbostf.; [laig] SA-Dä; [läig] verstr. nwaltm.; [läi] verstr. nwaltm., SA-GrGe; leijen vereinz. n elbostf.; [lain], leien, lei’en Wb-Holzl 133, verstr. mittleres/s elbostf.; [lehen] Dialekt-Nd 16; [lain], lein verstr. mittleres/sw elbostf.; [ln] QUE-Di; lög(e) n OST-Schr, STE-Go; [lg] SA-Lüg Sa, STE-Buch; läögn Bewohner-Altm 1,355, GA-Ber; löjn STE-Sa, WO-Zi; loigen SA-Dä; loiggen Wb-We 82; [li] SA-Ch Hi; löen JE2-Me; leuen STE-Gro; [löin] STE-Bö Steg; [ljn] ZE-Roß; len, [ln] Mda-Ze (ZE-Roß), verbr. anhalt. – Gram.: 1. Sg. Präs.: lg Wb-Altm 125; [l] verstr. ZE; [ln] Mda-Ze (ZE-Gro); lei(e), lai(e) verbr. elbostf.; laa QUE-Di; [l] Mda-Ze (ZE-Roß); 3. Sg. Präs.: leeget JE1-Mö; [lt] verbr. ZE; [lnt] Mda-Ze (ZE-Gro), ZE-Kö; lüggt Wb-Altm 125, OST-Thie, GA-Ack Wa, Wb-We 82; lücht GA-Klö, STE-Stei, HA-Oh, Wb-Holzl 133; leuchtVk-Harz 3,46; lijt WA-Alt; licht verstr. s elbostf.; [l()t] Mda-Ze (ZE-Roß); Part. Prät.: Stammvokal [--] Dialekt-Ma 9 (sw JE1, ZE-Dor), Mda-Ze (ZE-Roß), verbr. elbostf. omd.; [--] verbr. brdb.; [ --] verstr. Altm., Dialekt-Ma 11 (verbr. s JE1); [--] Dialekt-Ma 11 (w JE1); [--] verstr. ZE.
Ls f. 1. TiN ‘Laus’ verbr. – hei hat’n ganzen Kopp full Lse HA-Oh; Rda.: Die hem Liese wie Sand ahn Meere.Vk-Harz 3,46; Hei hät keen Lus’, de Lus’ hämm äm. Bewohner-Altm 1,348; häst k Ls’ oder schuppst di man so? zu einem Prahler, Wb-Altm 207; hat Luse opejrepen ‘glaubt Unmögliches’ Sprw-Börde; Em is’n Lus öäwer de Läb’r kroch’n. ‘Er ist missgelaunt, verdrießlich.’ Spr-Altm 78; hei itt als wenne Lüse kaut ‘er isst langsam’ Sprw-Eils 39; sich anne Laus in Pels setzen ‘sich Unannehmlichkeiten bereiten’ Wb-Ak 103; sett’n Haut up, dne Lse forrküllt sik HA-Oh; De is bang, dät sien Lus’ Snopen (Schnupfen) krieg’n. von jmdm., der seinen Hut ständig aufbehält, Bewohner-Altm 1,348; besser ne Lus in Potte, wie gar kein Fleisch Sprw-Börde; allens wat better is as n Lus, dat nähm ick mät na Hus von einem sparsamen Menschen, STE-Schi; hei sitt wie dä Luus in Schorwe ‘ihm geht es sehr gut, er ist in einer guten Position’ OSCH-Ba; den freten de Luse de Ohrn von Koppe ‘er hat viele Menschen zu ernähren’ Sprw-Börde; Sprw.: wenn de ls t’n schorwe is, het se wedder prot ‘hat man Schwierigkeiten überwunden, wird man wieder übermütig’ Wb-Nharz 120; wenn ut ne Nete ne Luus werd, denn fänget se an te biten Wb-Holzl 137; Rätsel: Wat gaiht groad opp’n Hoar as de Uhr? – die Laus, Lieder-Ma Nr. 421 (WO-Ol);Opp’n Kopp – Treppopp,
Hind’re Ohr’n – noa Boor’n,
In’n Nack’n – noa Kack’n?
– Laus, a.a.O. Nr. 420 (WO-Ol).
– 2. Pl. ‘auseinandergefaserte, zerrissene Drähte eines Drahttaus’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 255 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 255 (CA-Ak).
Lautf.: Luus, Ls; außerdem: [lius] SA-Dä; Laus verstr. anhalt. – Gram.: Pl.: Lüse Elbschifferspr. 255 (JE2-Pa), vereinz. HA OSCH WE; Lüs’ verstr. Altm., JE2-Scho; LieseVk-Harz 3,46, Wb-Nharz 120, Mda-Sti 34; Luse, [lz] Elbschifferspr. 255 (STE-Bit, WO-Ro, JE2-Mi), JE2-Scho, ZE-Göd, Sprw-Börde, WA-Un; Lus Bewohner-Altm 1,348; Leise, [laiz] ZE-Roß, verstr. anhalt. Zus.: zu 1.: Handlangerlse.
nren Adv. ‘gierig, voller Verlangen’,  gperig, bes. ‘nach Essen und Trinken verlangend’ 3: vereinz. s elbostf. – ek bin nich nren dn Wb-Nharz 135; Rda.: sau niern sau satt ‘trotz Sättigung noch Appetit verspüren’ Sprw-Eils 39.
Lautf.: nier(e)n, nr(e)n. – Etym.: Bezug zu mnd. nrich ‘auf Essen versessen, von gutem Appetit’, vgl. HWb-Mnd 2,1121; Einfluss von mnd. neren ‘auf Neues bedacht, gierig’, vgl. HWb-Mnd 2,1122, und  ngren möglich.
ge n. 1. ‘paarig vorhandenes Sehorgan’, bes. des Menschen, allg. – swache en HA-Oh; schbarre daine en uf! DE-Ca; dät e st schlecht t JE2-Scho; … un’n paar lustige glue (glänzende) Ogen saten öhr in Koppe. Rauch 1929,6; Rda.: gen w sau’n Luks ‘sehr gut sehen können’ BLA-Brau; en w ne Katte dass., HA-Oh; de gen opkneppen ‘genau hinsehen’ Wb-Nharz 136; in dat ge fallen ‘auffallen’ BLA-Brau; Die Og’n in de Hand nehmen. ‘Seine Aufmerksamkeit auf etw. Wichtiges richten.’ Bewohner-Altm 1,353; keine Hand for Oen sein können ‘sehr dunkel sein’ Sprw-Eils 39; de O’en taudaun ‘einschlafen’ Sprw-Harzvorld 374; Ich hawwe de janze Nacht kn e zjemacht. ‘Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen.’ Wb-Ak 123; der word Ogen maken ‘er wird erstaunt sein’ Sprw-Börde; ‘n e taudrücken ‘nachsichtig sein’ HA-Oh; met’n blaun ge derfon kommen ‘glimpflich davonkommen’ Wb-Nharz 136; einen in de Oo’n ewischt ‘betrunken sein’,  dn, OSCH-KloGrö; w aus de en jeschnitt’n ‘sehr ähnlich’ Wb-Ak 123; de kinder wassen einen t’n ge ‘die Kinder wachsen schnell heran’ Wb-Nharz 136; Sick met de Og’n klütern ‘sich verliebte Blicke zuwerfen’ Bewohner-Altm 1,353; sik de en t’n Koppe schrn ‘heftig weinen’ HA-Oh; Dat stickt mi leidig in de g’n. ‘Das wünsche ich mir sehr.’ Wb-Altm 126; de en sünd grötter w de Munt ‘sich mehr auf den Teller tun, als man essen kann’ HA-Oh; H günnt n dat Witt in d’ g nich. ‘Er ist neidisch.’ Wb-Altm 149; make de Ogen tau – un watte denn siehst, dat is dins Bemerkung zu einem Großsprecher, Sprw-Börde; Wemmor’n was st, hat morsch Kalleb inne en jeschln. ‘Wenn man ihn kritisiert, ist er beleidigt.’ Wb-Ak 123; Met n Og in’t Gesicht, met’t änner in d’Fick. von einem schielenden Menschen, Wb-Altm* 72; met’n rechten ge in de linke westenfikke kukken dass., Wb-Nharz 136; De kucket mit ein’n O’e na’n Brotschappe mit’n andern na’r Käsehord. dass., Sprw-Harzvorlf 22; Sprw.: Een Og’ arbeit’ mihr as twee Hänn! ‘Durch ein geübtes Auge kann eine Arbeit schneller vonstatten gehen.’ Bewohner-Altm 1,353; wer de gen nich upknöpt, mütt den Geldbüdel upknöpen ‘wer bei einem Handel unachtsam ist, erleidet Schaden’ STE-Wi; Rätsel: Wuh süht he uut? – Uute Oogen. Lieder-Ma Nr. 917 (HA-Gro). – Volksgl.: Gegen Augenkrankheiten hilft Wasser aus geschmolzenem Märzschnee. Brauch-Anhalt 10; w jn nn Schpringk un hln uns Ostawta, dät is jt f schlimme en JE2-Scho. – 2. ‘Ansatz des Keims oder der Knospe einer Pflanze’ 3: HA-Oh, Wb-Nharz 136, 4: Wb-Ak 123. – 3. ‘Fetttropfen auf einer Brühe, Suppe’ 3: Sprw-Börde, 4: Brauch-Anhalt 10 – Rda.: et kieken mehr Ogen rin wie rut ‘die Suppe ist sehr fettarm’ Sprw-Börde. – 4. ‘Masche beim Stricken’ 1: SA-Dä, 3: vereinz. elbostf. – en ge fallen lten Wb-Nharz 136. – 5. ‘Nadelöhr’ 3: Wb-Holzl 147, HA-Bee Oh. – 6. ‘Schlinge in einem Tau’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 258 (STE-Bit, WO-Ro), 4: a.a.O. 258 (CA-Ak).
Lautf., Gram.: Oge, [g] GA-Bo, verstr. n/ö elbostf., vereinz. sw elbostf.; Oog, g vereinz. Altm.; [j] CALV-Calv; Ore, [] verstr. s Altm. nö elbostf., Elbschifferspr. 258 (CA-Ak), Wb-Be, verbr. ö anhalt.; Och, [] vereinz. ö nwaltm., vereinz. w Altm.; Oe, [] WO-Zi Zie, JE2-Scho, verbr. mittleres/s JE1, ZE-Kö Roß, verstr. w elbostf., vereinz. sö elbostf., verbr. w anhalt.; O, [] verbr. nö Altm., vereinz. JE2, verbr. n JE1, vereinz. s JE1 ZE, WE-Be; Ouge, [oug] STE-Bad, CALV-Je Uth Zo; Oug Matthies 1903,19; Oure QUE-GrSchie; [u] vereinz. sw Altm.; [u] vereinz. ö STE; [u] Mda-Ze (ZE-Gro); e Mda-Ro; uo OSCH-Di; augge Mda-Sti 53; Aug GA-Kak Wern; Auch, [au] vereinz. ö nwaltm., verstr. SA w OST n GA; [u] STE-Ber, OST-Meß; [e] verbr. nwaltm.; Pl.: Og(e)n, [g()n] vereinz. s nwaltm., verstr. mittlere/ö Altm. JE2, JE1-Lü, verstr. WO HA s elbostf., DE-Que; [g] OST-Dü Kru; [] vereinz. ö nwaltm., SA-Kal, GA-Da Le; Ojen OST-Pol; jn Vk-Ask 373 (QUE-Asch); Owen OST-Pe; Oren, [n] vereinz. ö Altm., WO-HWa, WA-We, Wb-Be; O’en, [n] verstr. ö Altm. JE2 ZE, verbr. w elbostf., vereinz. ö elbostf. anhalt.; O(o)n OST-Hei, verstr. JE2 JE1 ZE, OSCH-KloGrö Nie, WE-Schau; [ougn] CALV-Je Uth Zo; [un] SA-Ra, vereinz. ö STE; [un] Mda-Ze (ZE-Gro); Augen GA-Schw; Aogen GA-Klö; [au] SA-Lüg Zie; [un] STE-Ber, OST-Meß; [eg] SA-Dä; [e] verstr. nwaltm. Zuss.: zu 1.: Heister-, Hner-, Kalfsgen, Katten-, Klter-, Knpgen, Kreien-, Kuck-, Kulperauge, Kulp-, Kulpschauge, Luchs-, Ngen-, Ossen-; zu 3.: Mnls-; zu 5.: Ntel-.